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Sonntag, 7. April 2013

Menorca, Ciutadella 03.04. - 09.04.2013


Erst Schwachwind, dann Segeln unter Gennaker bei Beaufort 4 bis 5, dies alles bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein – herrlich, das Leben ist schön. 13 Stunden benötigen wir für die Passage von Cabrera nach CIUTADELLA auf MENORCA, wo wir Mittwoch, 03. April, um 19.00h längsseits Finger an einem Schwimmsteg festmachen. Position 40 00,040‘ N, 003 49,980‘ E.

Die Freunde unserer Flottille nehmen uns mit einem kalten Bier in Empfang. Wir treffen etwas später als sie ein, da ein gescheiteter Versuch der Selbstversenkung während der Passage Zeit gekostet hat: Sock will heißen Kaffee / Canan schaltet ergo die Frischwasserpumpe ein / 5 Minuten später Alarm durch den Rauchmelder im Motorraum – Schrecksekunde / Motor brennt nicht, Süßwasser in der Motorbilge hat den Alarm ausgelöst – Erleichterung / Wasserdetektor in der Bilge gibt auch Alarm / Quelle wird gesucht und gefunden: die Dusche im achteren Bumpel war aufgedreht und beförderte ca. 50 Liter Wasser in die Bilge / auspumpen und trocknen.

Wir liegen an den Pontoons von portsIB. Im Sommer ist hier kaum ein Platz zu ergattern, nun aber sind reichlich Liegeplätze frei und kosten mit 19,23 EURO /Nacht (all in) nur einen Bruchteil des Hochsaisonpreises. Freundlich und hilfsbereit ist das Personal, wir mögen es hier zu sein.

„RISSAGA“ – 1984 und 2006 hat dieses Wetterphänomen in Ciutadella riesige Schäden verursacht. Es ist ein „meteorologischer Tsunami“, der unter gegebenen Rahmenbedingungen den Wasserstand im schmalen Hafenschlauch von Ciutadella in Minuten drastisch, bis zu 3 Metern, sinken lässt, um dann als zerstörerische Flutwelle zurückzukehren. Für den 04. April gibt es eine Warnung ! 70 cm soll die Rissaga ausmachen – die Einheimischen winken gelassen ab, dies sei nicht so gefährlich. Ein bisschen aufgeregt sind wir schon. Tatsächlich werden es dann auch nur ca. 20 cm, kaum merklich an den Schwimmstegen.

Ciutadella – die schönste Stadt Menorcas‘. Bezaubernd ist die Altstadt mit ihren ruhigen Gässchen und hübschen Bauten und Plätzen, die Menschen sind freundlich und gelassen, die Auswahl an Läden und guten Restaurants ist groß.
 



 
Kulinarischer Höhepunkt ist jedoch eine Potluck-Party auf „Two Oars“, unserem Flaggschiff – Fischsuppe und überbackener Weichkäse irische Art, schwedischer Sandwich-Cake, türkische Weinblatt-Dolma, amerikanischer Magic Cookie Bar – selten so gut und in so netter Gesellschaft gegessen!

Mit den Leihwagen (50,- Euro für 3 Tage) erkunden wir die Insel. Killerkühe treffen wir (mehr dazu von Tim), die Haupstadt der Insel, MAHON, besuchen wir. Hier waren wir ja bereits im Jahr 2011:

Mahon - der traurige Untergang der "Dolphins"

Mahon 26.09. - 01.10.2011

Ruinen und Kultstätten, fast 3000 Jahre alt, die Cuevas de Colon, weiße Sandstrände - unsere Ausflüge sind interessant und machen Spaß. Richtig gut ist der berühmte „Mahon“-Käse, den wir direkt auf einer kleinen Farm einkaufen. Menorca gefällt.

Die Flotillengang
 
Die schöne Stadt BONIFACIO auf KORSIKA ist unser nächstes Ziel. Das liegt nicht so mal eben um die Ecke, sondern wird ca. 50 bis 55 Stunden Segeln bedeuten. Da wir uns in einem sehr windreichen (Mistral!) und durchaus nicht ungefährlichen Seegebiet (Seegang!) bewegen werden, galt’s, so früh im Jahr, ein passendes Wetterfenster zu erwischen. Wir denken, wir haben eins – Leinen los in Ciutadella heißt es für uns und unsere Freunde voraussichtlich am Dienstagmorgen, 09. April. Adios Espana, hasta luego!

 

Freitag, 30. September 2011

Menorca - Mahon 26.09. - 01.10.2011


Wir sind in SPANIEN, dem Land, in dem wir die nächsten 6-7 Monate verbringen werden.

Unser Ankerplatz bei Mahon in der CALA TEULADA, Position 39 52‘.701 N, 004 18‘.453 E, ist schön und sicher. Die Frauen und Kinder unter uns gehen häufiger schwimen, das Wasser hat 25 Grad, in 200 m Entfernung ist ein Sandstrand.

Nach den dramatischen und traurigen Ereignissen vom 26. September verbringen wir die Nacht auf den 27. in Mahon in der Marina de Menorca, kehren aber am Morgen zurück in unsere Cala.

Der Hafen von MAHON  gehört, mit Pearl Harbour, Sydney und Poole, zu den größten Naturhäfen der Welt. Der Weg aus der Cala zur Stadtmitte dauert mit unserem Dinghi schon ca. 30 Minuten.

MAHON gefällt uns ausgesprochen gut. Als wir mittags die Stadt besuchen, ist sie voll - ein großes Kreuzfahrtschiff hat seine "Ladung" los gelassen. Anders am Abend - lebhaft, aber nicht voll, kaum noch Touristen. Die Stadt ist weitestgehend Fußgängerzone, geteilt in die Hafenpromenaden und, bergauf, Altstadt etc..

Eindrücke:





In der Nacht vom 28. auf demn 29. bricht unsere Stromversorgung zusammen. Am frühen Abend stellt Canan fest, dass die Batterien nur noch 11,8 Volt Spannung haben. Ich versuche den Motor zu starten, um zu laden. Er springt nicht an, zu niedrig ist die Batterieladung bereits, Ok sage ich, wir warten die Nacht ab, der Windgenerator wird's schon richten. Alle Verbraucher werden ausgeschaltet. Fehlentscheidung. Nachts um 03.00.h weckt mich Canan, die Batterien haben nur noch 10,2 Volt Spannung, Tiefentladung, Mist.
Am Mórgen tun die Solarpanels ihren Dienst, wir können den Motor gegen Mittag starten. Anker auf, wir gehen für die nächste Nacht in die Marina "S' Altra Banda", Schwimminsel Clemetinas. Canan kann den Preis von zunächst veranschlagten 46,- EURO für die Nacht runterhandeln - wir zahlen 34,73 EURo, inkl. Wasser und Strom. Netter Marinero, schön dort, aber der Schwell der passierenden Ausflugsboote ist heftig.

Am Freitag motoren wir rüber zu "Pedro's Boat Service", quetschen uns in eine enge Lücke zum Anlegen. Wir lassen die Starterbatterie des Motors austauschen, war an der Zeit, 6 Jahre alt. Nette Leute, die Pedros, aber billig sind sie nicht.

Freitagnachmittag  ankern wir wieder in unserer Cala Teulada. Am Samstag wollen wir weiter nach MALLORCA - PORTO COLOM, kürzeste Distanz 57 Seemeilen. Leider haben wir MENORCA diese Mal nicht so richtig erkunden und erleben können, aber im nächsten Jahr werden wir dies ausgiebig nachholen. Schöne Insel, freundliche Menschen!

Menorca - Mahon 26.09.11 - FEUER an BORD

Der Aufenthalt in MAHON, der Hauptstadt MENORCAS‘, sollte ganz anders verlaufen, als wir es erwartet und geplant hatten.

Am Montag, 26.09., lassen wir nach 217 Seemeilen Anker fallen in der CALA TEULADA, hinter der Halbinsel La Mola mit ihrer Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert. Die CALA TEULADA ist die einzige Möglichkeit, in MAHON kostenlos zu liegen (zu ankern). Position 39 52‘.701 N, 004 18‘.453 E.

Es ist 19.15h, der Anker liegt sicher in 6 Metern auf Sandgrund. Wir klarieren das Boot, öffnen ein Ankerbier. Neben uns an Steuerbord liegt in ca. 50 Metern Entfernung ein amerikanisches Boot vor Anker, zu dem Tim beim Einlaufen in die Cala Teulada bemerkt hatte „ist das schön!“.  Es ist die „Dolphins“, wirklich ein Schmuckstück, eine Hans Christian Yacht, der Rumpf in schönem Grün.

Um ca. 19.30h sehen wir Rauch auf der Dolphins. Ziemlich viel, aber der Eigner wirkt sehr unaufgeregt, und wir stufen es als „angebranntes Essen oder missglückten Grillversuch“ ein. Ich gehe unter Deck, um Logbuch zu schreiben. Nach etwa 4-5 Minuten ruft Canan „das ist Ernst – der ruft MAYDAY“ (= Notfall auf See). Die Rauchentwicklung hat stark zugenommen, dick und grau kommt er von unter Deck. Das Geräusch eines Feuerlöschers ist zu hören. Wir starten den Motor und beginnen, den Anker aufzuholen. Nach kurzer Zeit hören wir dann einen weiteren MAYDAY-Ruf über Funk, das Paar an Bord der Dolphins bereitet offensichtlich das Verlassen des Schiffes vor. Unseren 2kg-Feuerlöscher hatten wir bereit gestellt, aber unser Beiboot hing noch gut verhüllt an den Davits, so dass wir ihn hätten zur Dolphins bringen können. Unser Anker ist auch noch nicht oben, als das Paar ihr Schlauchboot ins Wasser wirft und hinein springt. Gerade rechtzeitig.

Sie kommen zu uns gepaddelt, wir nehmen sie an Bord. Erst jetzt ist unser Anker aus dem Wasser. Mathias und Jennifer sind die Eigner der Dolphins. Sie haben nichts bei sich außer einem Handfunkgerät. Mathias gibt per Funk sofort noch einmal die Positionsmeldung und die Schilderung des Notfalls an „Mahon Port“ durch. Jetzt steigen auch die ersten großen Flammen am Heck der Dolphins auf, die Rauchentwicklung ist enorm. Ich stoße mit  Lime Light zurück, mit unseren Mini-Feuerlöschern ist da nichts mehr zu machen.

Entsetzt sehen wir mit an, wie das Feuer sich weiter ausbreitet und schließlich nach etwa 20 Minuten das ganze Boot in Flammen steht. Ein Feuerlöschboot ist bisher nicht gekommen, nur an Land steht ein Auto mit Blaulicht. Mit einem Riesenknall und ungeheurer Wucht explodiert dann auch die erste Gasflasche an Bord, Trümmer fliegen.







Mathias bekommt keine Antwort von Mahon Port auf seine Anrufe über Funk. Um etwa 20.15h, es ist immer noch kein Feuerlöschboot aus Mahon da, drehen wir ab und motoren die ca. 2 Seemeilen in den Haupthafen Mahons‘. Hinter uns hören wir die laute Explosion der 2. Gasflasche. Allen ist nun bewusst, dass die Dolphins für immer verloren ist.

Nach einigen Telefongesprächen hatte sich ergeben, dass die „Guardia Civil“ nun zuständig ist. Mit dieser verabreden wir uns bei der Marina de Menorca, sie verschaffen Mathias und Jennifer schließlich ein Hotelzimmer.

Die Schilderung dieses tragischen Unglücks durch Mathias und Jennifer ist in ihrem blog nachzulesen, http://dolphinsvoyage.blogspot.com  Die beiden wollten ebenso wie wir für etwa 2 Jahre das Mittelmeer bereisen, hatten die Reise im Juni, aus den USA kommend, begonnen. Canan und ich sind tief betroffen.

Der Untergang ist Schlagzeile in den menorquinischen Zeitungen des nächsten Tages. Es wird berichtet, dass ein Feuerlöschboot um 20.35h am Unglücksort eingetroffen sei. Heißt, erst eine gute Stunde nach der ersten Notfallmeldung! Viel zu spät…. warum?

Bild aus der Tageszeitung

Der Ort des Untergangs wird am nächsten Tag mit Bojen markiert. Mathias beauftragt Taucher, die Reisepässe und Geld aus dem Wrack bergen können. Alles andere ist Opfer der Flammen geworden. Ein Gutachter der Versicherung der Dolphins besucht auch uns, ist zugegen, als das Wrack der Dolphins am Fr., 30.09., schließlich geborgen wird.
 
Wir bleiben die nächsten Tage mit den beiden in Kontakt, gehen zusammen Essen, verstehen uns gut. Mathias und Jennifer haben das Lachen nicht aufgegeben, schmieden Pläne, wie es weitergeht. Wir wünschen ihnen von Herzen alles erdenklich Gute!