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Dienstag, 14. Mai 2013

Äolische (Liparische) Inseln 05.05. - 13.05.2013

Auf der Isola de USTICA machen wir am 05. Mai morgens mit Buganker auf 6 Meter Wassertiefe und mit Heckleinen an der Pier fest. „Römisch-katholisch“ nennen Segler diese Art festzumachen. (Warum? Keine Ahnung.) Der urige, quirlige Andrea hilft beim Festmachen und ist auch später noch sehr freundlich und hilfsbereit. Die Nacht hier an der Pier, an der etwa 6-7 Yachten Platz finden, kostet 27,50 Euro, all in. Unsere Position ist 38 42‘.523 N, 013 11‘.756 E.
 
202 Seemeilen lang war die Überfahrt von Sardinien hierher. 40 Stunden haben wir benötigt, davon waren etwa 30 unter Segel möglich. Abwechslungsreich war es – mehrfach treffen wir Delphine und, erstmalig, auch wirklich große Wale! 10-12 m lang sind sie, eine Familie von drei. Langsam ziehen sie blasend ihre Bahn, majestätisch – wir finden sie faszinierend.

Ustica vermochte zu gefallen. Nur 8.5 km2 groß, 1.200 Insulaner, ein schmucker Hauptort, viele Feriendomizile wohlhabender Italiener. Besonders unter Tauchern ist diese Insel ein Begriff, da die Unterwasserwelt hier außergewöhnlich interessant und seit 25 Jahren ein Unterwasser-Naturschutzgebiet ist.
 
 



Ustica liegt etwa 120 km von den 7 ÄOLISCHEN (LIPARISCHEN) Inseln entfernt, 50 km nördlich Palermos', und gehört nur geologisch dazu. Die 7 Inseln heißen so nach dem griechischen Windgott Äolus bzw. dem König Liparos, der sich vor ca. 3.500 Jahren dort niederließ. Sie sind vulkanischen Ursprungs und aufgrund ihrer Einzigartigkeit in Flora und Fauna und vulkanischen Phänomene Unesco-Welterbe. Zwei aktive Vulkane sind hier beheimatet– mit dem STROMBOLI auf gleichnamiger Insel der aktivste Vulkan Europas‘ und dem VULCANELLO auf der Isola de VULCANO der wohl gefährlichste.
 
 

Am 07. Mai um 06.45 h gehen wir Anker auf in Ustica. Ziel ist die ca. 65 Seemeilen weiter östlich gelegene Insel FILICUDI, wo wir in Pecorini di Mare an einer (verfallenen) Pier festmachen wollen, um im dortigen Restaurant „La Sirena“ gut zu Abend zu essen. Filicudi hat gerade einmal 200 Einwohner, und damit immerhin doppelt so viele wie die Isola de ALICUDI, die wir auf dem Weg nach Filicudi passieren. Künstler, Intellektuelle, Aussteiger, einige Bauern und Fischer machen die Population aus.

Tolles Segeln während der Überfahrt nach Filicudi, aber leider lässt die Wellenhöhe von 1.5 bis 2 Meter dann ein Anlegen in Pecorini di Mare nicht zu. Auch der Ankerplatz Porto Filicudi erscheint uns nicht sicher genug, so dass wir weiterlaufen zur Isola de SALINA. Dort machen wir in der Marina dell Eolie am 07. Mai um 22.05 h nach zurückgelegten 86 Seemeilen an einer Mooring fest. Position 38 33‘.347 N, 014 52‘.319 E. Süß ist die Marina und Manager Dominik sehr nett. Auch beim Preis kommt er uns entgegen – wir zahlen statt 60,- nur 40,- Euro/Nacht all in. Billig ist’s hier, in der einzigen Marina der Äolischen Inseln, nämlich nicht. Im Juli/August kostete uns eine Nacht 140,- Euro , so man uns hinein ließe. Denn die großen Yachten zahlen dann 1.000,- und mehr Euro die Nacht.

Wir sollten noch zweimal zurück kehren in die Marina; wir übernachten hier nochmals vom 09 . auf 10. und vom 11. auf 12. Mai.
 
 
 

Salina gebührt der Apfel des Paris unter den 7 Inseln. Schön und grün ist sie, fast komplett unter Naturschutz stehend. Man lebt hier in erster Linie vom Anbau hervorragender Kapern und Trauben, aus denen der berauschende Dessertwein Malvasia gekeltert wird.  Auf sehr gutes Essen versteht man sich ebenfalls, wovon wir uns bei einem köstlichen Abendessen in der "Trattoria Cucinotta" überzeugen können.


Am 08. Mai segeln wir von Salina, vorbei an der Isola di LIPARI, die etwa 11 Seemeilen zur Isola di VULCANO.
 
 

 
 
Im Porto di Levante lassen wir dort am Nachmittag auf 9 Meter Wassertiefe und Sand Anker fallen. Zuvor gab es einen gehörigen Schreck für die irischen Freunde auf Segelyacht „Cachaca“ – sie laufen in der Bucht auf 2 Felsen auf. Schlauchboote anderer Yachten eilen schnell zur Hilfe und können Cachaca frei schleppen. Alles ging glimpflich ab, es bleiben ein paar Schrammen am Kiel und die unschöne Erinnerung.  

Es stinkt in der ansonsten wunderschönen Bucht. Faule Eier. Man gewöhnt sich daran. Aber eben doch faule Eier. Es sind die vulkanischen Gase des „Vulcanello“, an dessen rauchender Flanke wir vor Anker liegen. Dieser Vulkan ist gefährlich. Nach Einschätzung der Geologen ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem gewaltigen Ausbruch kommt. Vielleicht haben sie ja auch deshalb ihre Forschungsstation lieber auf der Nachbarinsel Filicudi untergebracht.
 


 

Ebenso stinken tut’s im Fangoschlammbad der Bucht, dass wir besuchen (2,- Euro Eintritt), hier aber eher nach verrottender Leber. Durch den Druck des Vulkanes wird schwefelhaltiger Schlamm aus dem Erdinneren an die Oberfläche gepresst, dieser riecht halt. Ein Riesengaudi ist das Plantschen im Tümpel dennoch, und wenn’s denn auch noch schön macht und gesund ist! Nach dem Suhlen im Schlamm bringt ein Bad im durch Fumarole in einen Whirlpool verwandeltes Meer weitere Entspannung. Wellness in einer bizarren, faszinierenden Umgebung.




 
Am 09. Mai nach einer himmlisch ruhigen Nacht gehen wir Anker auf und segeln zurück nach Salina, von wo aus wir am 10. Mai zur Isola di STROMBOLI, die Isola di PANAREA passierend, weiterziehen.

Canan hatte am 09. mit „Paolo“ auf Stromboli telefoniert: Festmacher-Bojen für Yachten gäb’s erst ab Juni vor Stromboli; aber dem Charme Canans‘ erlegen wolle er versuchen, 2 Bojen für uns legen zu lassen. Am 10. Mai treffen wir gegen Mittag in Stromboli ein und können zunächst die Bojen nicht ausmachen, so dass wir vor Anker gehen. Bei einem Landgang wird Paolo ausfindig gemacht – die 2 Bojen sind da, sie werden uns gezeigt, so dass wir dorthin verlegen. Position 38 47‘.975 N, 015 14‘.587 E – 25,- Euro Kosten. Supertyp, der Paolo, Grazie. Und die Bergwanderung auf den Vulkan hat er für uns auch gebucht (25,- Euro/p.P.).



 
Um 17.15 h geht’s los. Angeführt von Bergführer Antonio, wieselflink auf den Beinen und mit der Zunge, beginnt der Aufstieg auf den knapp 1.000 Meter hohen Vulkan. Helme sind zu tragen, feste Trekkingschuhe sind Pflicht, ebenso hinreichende Wasser- und Essensvorräte. Anstrengend und nicht ungefährlich ist der sehr steile Weg hinauf, später noch steiler in der Dunkelheit hinab, 17 km in 5 ½ Stunden.
 




Die Mühe lohnt. Einzigartig, fantastisch, unglaublich… - viele Superlative verdient die grandiose Vorstellung, die der Stromboli gibt. Der Vulkan ist zur Zeit in einer außergewöhnlich aktiven Phase. Die Lavafontänen, explodierend mit lautem Knall,  steigen mehrfach stündlich 500 bis 700 Meter in den Himmel hinauf. Wir stehen nicht sehr weit weg von den Kratern des Vulkanes, Asche regnet nach den Eruptionen auf uns, Rauch und Schwefelgestank machen das Atmen schwer. Es ist ein Blick in das Innere der Erde (oder der Hölle), wie eine Zeitreise in die Entstehungsperiode unserer Erde mutet es an. Die Geräuschkulisse lässt sich kaum beschreiben – als ob Riesen mit gewaltigen Hämmern rotglühende Stähle schmieden, begleitet von Explosionen und lautem Zischen. Der Vulkan wird uns unvergesslich bleiben.

Dieses Video mag einen Eindruck geben: STROMBOLI - Vulkanausbrüche
Und Tim hat eine ausführliche Livereportage gedreht: Tim und der Vulkan







Wir lassen die Äolischen Inseln hinter uns. Traumhaft schön und interessant war es.
Ziel ist nun SIZILIEN, wo wir an der Ostküste festmachen wollen. Hierzu werden wir die „Straße von Messina“ passieren, Meerenge zwischen Italien und Sizilien, berüchtigt für unwirtliche Wind- und Wellenverhältnisse.

Schon Homer hat die dortigen gefährlichen Strudel und Kreuzseen in seiner Odyssee beschrieben:
Das Ungeheuer Skylla haust auf dem größeren der beiden sich gegenüberstehenden Felsen der Meerenge und Charybdis unterhalb des kleineren Felsens, auf dem ein großer Feigenbaum steht. Sie saugt dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog geraten, sind verloren, nicht einmal der Meeresgott POSEIDON vermag diese Schiffe zu retten. Auf den Rat von Kirke meidet Odysseus die Charybdis, gerät dabei aber unweigerlich so nahe an Skylla heran, dass sie sechs der Gefährten tötet und frisst. Auf der Rückfahrt von der Insel des Helios kommen die übrigen Gefährten wegen der verbotenen Tötung von Helio's Rindern bei einem Sturm ums Leben, so dass Odysseus auf dem zertrümmerten Schiff die Meerenge allein passieren muss. Als Charybdis das Schiff einsaugt, klammert er sich am Feigenbaum fest, bis es wieder ausgespien wird und rudert auf den Trümmern mit den Händen davon.


Die starke Strömung in der Meerenge diktiert uns die Abfahrtzeit von Vulcano, um bei Ankunft an der Straße den südlich setzenden Strom ausnutzen zu können. Dieser setzt etwa 4 Stunden nach Hochwasser in Gibraltar ein und beträgt derzeit im Maximum 4 Knoten. Die Meerenge bei nördlich setzendem Strom in südlicher Richtung zu befahren wäre unmöglich. So gehen wir ab Vulcano am 13. Mai zur unchristlichen Zeit von 03.30 h in der Nacht Anker auf. Ziel ist TAORMINA auf Sizilien, 65 Seemeilen die Distanz.

Vulcano feiert eine Hochzeit am Abend des 12. Mai, Fiesta ist, Musik und Tanz . Ein tolles Feuerwerk zu diesem Anlass- nicht vulkanisch, von Menschenhand - verabschiedet uns bei prächtigem Sternenhimmel nach Sizilien.



 

Dienstag, 11. September 2012

Von Rota (Atlantik) nach Mallorca 09.09. - 22.09.2012


10 Monate lang haben wir den Atlantik besegelt, lieben und respektieren gelernt.  Er verabschiedet uns mit einem freundlichen Gesicht - weite Strecken der 95 Seemeilen von ROTA nach ESTEPONA an der Costa del Sol haben wir fast ideales Segelwetter, Gaudi macht's. Vorbei rauschen wir am berühmten Kap Trafalgar, am Sonntag um 20.15h haben wir Tarifa querab - wir sind im Mittelmeer.

In Schleichfahrt, wie U96, geht's nachts durch die Strasse von Gibraltar. Getragen vom Gezeitenstrom, segelnd raumschots oder im Schmetterling, schleichen wir jedoch nicht, sondern machen meist 7 bis 8.5 Knoten Fahrt. Als wir hinter dem Felsen Gibraltars' nach Nordosten abbiegen, gibt's bis Estepona nochmal starken Wind auf die Nase. Gerefft, am Wind, 8 Knoten Fahrt - wir erreichen Estepona früher als erwartet und machen dort um 03.15h am Montagmorgen, 10. September, an einer Mooring fest. Position 36 24'.878 N, 005 09.479 W.

Die Marina ist fast voll, wir müssen uns in eine enge Lücke quetschen. Der Preis ist 22,- Euro/Tag all in. Estepona haben wir aus 2 Gründen angelaufen: wir waren schon im November 2011 für 4 Tage hier und haben es gemocht ( Estepona Nov. 2011 ), ferner können wir hier unsere Gasflaschen auffüllen lassen (sonst überall in Spanien nicht möglich). Leider klappt es mit dem Auffüllen erst am Mittwoch, so dass wir einen Tag länger als geplant in Estepona bleiben werden. Zeit ist, ungewohnt, leider ein Faktor für uns, denn Tim kommt am 20. September aus der Türkei zurück und landet in VALENCIA. Bis Valencia sind es ab Estepona fast 450 Seemeilen - das ist recht tough für 8 Tage, wir müssen Meilen fressen und Nachttörns einlegen.


Wieder im Mittelmeer - dies ist auch ein Wendepunkt in unserer Reise, etwas wehmütig sind wir. 5.348 Seemeilen (9.905 km) haben wir seit August 2011 zurückgelegt. Nun führt unser Weg nach Osten, Richtung Türkei, wo wir im Spätherbst 2013 Lime Light einparken und unsere Zelte aufschlagen wollen. Beruhigend, dass dazwischen aber noch Mallorca, Menorca, Korsika, Sardinien, Tunesien (Überwinterung), Sizilien, das Ionische Meer und Korfu, der Golf und Kanal von Korinth und einige Dutzend griechische Inseln in der Ägäis liegen werden.


Ein enges Zeitfenster für die Segelpassage von Estepona nach ALMERIMAR können wir am Mittwoch nutzen. Für den Donnerstag sind starke Ostwinde vorhergesagt ))-: , wir müssen Gummi geben. Und tatsächlich, in der letzten Stunde der Annäherung an Almerimar bläst's, nach ansonsten weitestgehend schwachen Winden aus West und Flaute, mit 6-7 Windstärken aus Ost. 22 Stunden und 116 Seemeilen liegen hinter uns als wir am Donnerstagmorgen, 13.09., an Mooring in der Marina festmachen. Position 36 41'.893 N, 002 47'.482 W. Der Preis, all in, liegt bei 21,50 Euro/Tag.
Auch hier waren wir schon einmal,  Almerimar, Okt. 2011 .

Während der Überfahrt haben wir mehrfach Delphine gesichtet. Nachts falle ich vor Schreck einige Male beinahe von der Sitzbank im Cockpit, als mit einem lauten Schnauben einer oder mehrere der munteren Gesellen in der Finsternis direkt neben Lime Light aus dem Wasser springen und mich mit ihrem lächelnden Gesicht betrachten, als ob sie sich einen Spaß daraus machten. Seeehr lustig, denke ich, ha ha, wohl Clownfrische gefrühstückt ...


Und wiederum haben ein Wetterfenster, das wir nutzen wollen - am Freitag werden wir wohl schon wieder ablegen und versuchen, nach DENIA zu segeln ... dies wird, wenn's klappt, ca. 48 Stunden dauern.


43 Stunden hat's gedauert, und wir haben gebummelt dabei, um nicht mitten in der Nacht in der Marina in DENIA anzukommen. 214 Seemeilen entlang der Costa Blanca zur Costa del Azahar, 3 Kaps gerundet, die westliche Hemisphäre verlassend, leider überwiegend Beinahe-Flaute. Am Sonntag, 16.09., kurz nach Sonnenaufgang sind wir fest in der Marina an 2 Moorings, Position 38 50'.355 N, 000 07'.176 E. Hier gilt noch der Preis der Hochsaison, welcher aber mit 36,- Euro/Tag  moderat ausfällt. Die Marina macht einen exklusiven Eindruck, schicke Restaurants und Bars unter Palmen säumen die Promenade. Für Dusche und WC stehen private Suites, 15 qm groß, zur Verfügung, super. Die 400 Liegeplätze sind zu etwa 90% belegt. Ein feiner Sandstrand ist in 5 Minuten, die Stadt zu Fuß in 20 Minuten erreicht.
Das Städtchen Denia ist nett, grün, touristisch, preislich aber auf der teuren Seite. Mindestens bis zum 21. werden wir hier bleiben, Bootsmann Tim am 20. wieder an Bord nehmen, um bei günstigen Winden dann ostnordostwärts nach Mallorca, Porto de Soller, zu segeln.


Bootsmann Tim hatte eine schöne Zeit in der Türkei, redlich verdient hat er es sich. Sein Zeugnis der 5. Klasse ist eingetroffen, Notendurchschnitt 1,4. Bravo Tim!


Der Plan ist, Denia am Sonntag, 24.09., Richtung Mallorca, PORT de SOLLER, zu verlassen. Die Wettervorhersage (am Freitag) verspricht eine schnelle Passage unter Segeln, bei frischen bis starken Winden, Beaufort 5-6, aus dem 3. Quadranten. Wir freuen uns darauf.
Am Samstagmorgen prüfen wir nochmals die Wettervorhersage: die Windstärke ab Sonntagabend ist korrigiert worden auf Beaufort 6-8, stürmische Winde, einige Tage anhaltend. Etwas zähneknirschend entscheiden wir, Denia sofort zu verlassen und uns diese Anstrengung zu ersparen. Der Preis dafür: Nix isses mit schnellem Segeln, Flaute und Beinahflaute am Samstag und Sonntag – motoren.

So kommt es dann auch – 25 Stunden brauchen wir für die 145 Seemeilen, die Windstille und fast glatte See machen es zur Kaffeefahrt. Die Entscheidung, vor den stürmischen Winden noch schnell durchzuschlupfen und Poseidon nicht herauszufordern,  erweist sich als richtig: die Windvorhersage wird am Samstagabend abermals korrigiert. Ab Sonntagabend ist Sturm in Windstärke 8-9 zu erwarten.



Montag, 14. Mai 2012

Insel MADEIRA - Quinta do Lorde 09.05. - 18.05.2012

Alter Schwede - das war sehr knapp: der "Schwarze Tod" versucht unsere Lime Light zu holen, sie auf felsigem Grund an Madeiras' Küste zu versenken!

"Schwarzer Tod" nennt man Mikroorganismen, die sich in Dieseltanks sauwohl fühlen und bei übermäßigem Befall die Dieselfilter und -zuleitungen verstopfen, was zu Motorausfall führt.
Schlecht, wenn dies an engen Stellen, in der Nähe von Untiefen o.ä. passiert. Noch schlechter ist es an sehr engen Stellen bei starkem Wind. Dort trifft es, trotz aller Vorsorge, uns.

Wir kommen am Mittwoch, 09.05., um 13.00h in QUINTA DO LORDE an der Südostspitze der Insel MADEIRA (Portugal), an. Gut 300 Seemeilen haben wir seit Montag geloggt, ein gutes Gefühl da zu sein. Ein schöne Überfahrt war's, denke ich, als ich Lime Light, bei starkem Wind schräg von hinten, unter Motor in die Hafeneinfahrt eindrehe. Schmal ist die Einfahrt, 20 Meter vielleicht breit, an beiden Seiten Felsen, an denen sich die Wellen brechen.
"Nein, verdammt, nicht jetzt bitte", ist mein Gedanke, als der Motor von einer Sekunde auf die andere abstirbt! "Motorausfall, Genua hoch!", rufe ich sofort Canan und Tim herbei, die auf dem Vorschiff sitzen. Das klappt gut und geht schnell, aber wir bekommen nur mit dem Vorsegel keine Fahrt ins Schiff und treiben auf die Felsen zu. Irgendwie kriegen wir Lime Light gewendet und gewinnen etwas Zeit. Wir winken einen Marinero herbei, der mit einem Dinghi in der Nähe ist. "Push, push !", rufen wir, dies tut er auch mit dem Schlauchboot, mühsam ist das. Unendlich lang kommt uns die Zeit vor, die Felsen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite immer bedrohlich nahe, bis wir schließlich auch das Großsegel oben haben und uns freisegeln können.
Der Defekt wird dann auf See behoben. Gut so, denn von einer Minute auf die andere ist Flaute und eine starke Strömung treibt uns nach Osten ab. Ohne Motor hätten wir dann vielleicht am nächsten Morgen statt in Madeira in Marokko frühstücken können.

5 Stunden später machen wir einen 2. Anlauf auf Madeira und sind, um 19.15h, glücklich fest an einem Schwimmsteg in der Marina Quinta do Lorde. Knapp 60 Stunden haben wir ab Lanzarote benötigt, 346 Seemeilen zurück gelegt. Position 32 44'.488 N, 016 42'.709 W. Sock stinkt vom Schrauben am Motor nach Diesel, hat ein breites Grinsen im Gesicht und genießt, mit der besten Crew der Welt, sein Einlaufbier...

Ola Portugal
Einfahrt, die Zweite

Die Passage ab Lanzarote war ansonsten problemlos, sonnig, Vollmond des Nachts. Nur der Dienstag, nachdem wir am Montag prima segeln konnten, hat uns geärgert. Entgegen der Wettervorhersage, Computer sind auch nur Menschen, kaum Wind, und dann auch noch aus Nordwest statt Nordost - motoren ist angesagt. Am Mittwoch, bei der Annäherung an Madeira, wie erwartet Flaute, der Atlantik spiegelglatt, ein seltenes und schönes Bild.

Begleiter auf unserem Weg waren Schwertwale, Fliegende Fische, Schildkröten und natürlich Delphine. Hier einige vor den Ilhas Desertas, südlich von Madeira:  Delphine vor Madeira


Die Marina Quinto do Lorde hat ca. 250 Liegeplätze, überwiegend sind sie nicht belegt, und ist Teil eines Ferienresorts. Das Resort ist noch nicht ganz fertig gestellt, ausser einem Restaurant und den Einrichtungen der Marina gibt es hier eigentlich sonst nichts. Wir vermissen aber auch nichts. Das Restaurant bietet gutes Essen, einen Fernseher (BVB ist Pokalsieger!), Poolbillard und backt morgens frische Brötchen. Das Marinapersonal, geführt von Chefin Catia, ist aussergewöhnlich hilfsbereit und freundlich. Ein kostenloses Shuttle fährt auf Wunsch in die Nachbarstadt Machico oder auch in die Hauptstadt Madeiras', Funchal. Die Liegegebühr je Tag, inkl. W+E+WiFi, wird knapp 30,- Euro betragen. Technischer Service in persona Salomon erscheint am Tag nach unserer Ankunft, um einen Termin zur dringenden notwendigen Reinigung unseres Dieseltankes zu vereinbaren. Auch Safari Cat, welche am Freitag in der Marina eintrifft, kann hier einige Reparaturen machen lassen.

Marina Quinta do Lorde

Madeira - die Blumeninsel. Ca. 240.000 Einwohner, davon 110.000 in der Hauptstadt Funchal. Hier landen jährlich in etwa soviele Besucher auf Kreuzfahrtschiffen an, wie Madeira Einwohner hat. Die Insel, vulkanischen Ursprungs, ist gebirgig (höchster Gipfel 1.862 m) und, da relativ regenreich, grün. Sehr sauber und gepflegt alles, hübsch anzuschauen. Imposant die Steilküsten im Norden der Insel, ein super Spaß die Fahrt über die Küstenstraße dort.


Südosten





Und überall tummeln sich Mini-Dinos:   Video, Kampf der Echsen

So wie den Eidechsen der Apfel schmeckt, schmeckt Sock das Nationalgetränk der Madeirer: die Poncha. Zuckerrohrschnaps, Zitronensaft und Honig, gemischt im Paradies von 7 Jungfrauen.
2 Glas davon, und der sowieso himmelblaue Himmel ist noch ein Stück blauer, aller Ärger vergessen. Wie der Ärger mit unseren Batterien: obwohl erst 2 Jahre alt, "kochen" und entgasen sie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Kann sein, dass sie alle ausgetauscht werden müssen. Für das Geld könnte man 500 Ponchas trinken ...


Tim trägt einen neuen Beinamen!:


"Oh, oh, warum tue ich dies bloß??"

Video: Lauf, Flieger, lauf!

Video: Flieg, Flieger, flieg!

Video: Brems, Flieger, brems!






Einzigartig sind die Lava-Pools in Porto Moniz. Die Wellen des Atlantiks' brechen sich an der Küste, du schwimmst im Pool nur einige Meter dahinter sicher wie in Mutter's Schoß.


Und Rumpelstilzchen war auch da: Video - "Ach wie gut dass niemand weiß ..."


Madeira, Paradies für Wanderer:







Leider nur 1/2 Tag haben wir für die hübsche, lebhafte Hauptstadt Madeiras', FUNCHAL, letztlich Zeit. Aber nicht entgehen lassen wir uns eine Fahrt mit Korbschlitten im hübschen Nachbarstädtchen MONTE. 2 Km geht's hinab durch enge Gassen. Gelenkt wird nur mit den Füßen, Bremsen und ABS gibt's keine!


Video: Schlittenfahrt



Wir legen morgen, Freitag, 18. Mai, ab! Ziel: Lagos, an der Südwestspitze Portugals'.
Das werden günstigstensfalls so 550 Seemeilen (1.000 km) werden, Hoffnung ist am Dienstagabend nach ca. 110 Stunden dort zu sein. Das Wetter ist nicht optimal, aber wenn wir nicht lossegeln, hängen wir u.U. Wochen auf Madeira fest.
Denn dieser Weg wird kein leichter sein... es geht gegen den Nordostpassat und gegen die Wellen.
Meine größte Befürchtung allerdings: unsere Batterien halten nicht durch. Nächste Woche sind wir schlauer und hoffentlich vergnügt beim Einlaufbier in Lagos angekommen.

Samstag, 31. Dezember 2011

Fuerteventura - Morro Jable 23.12.11 - 08.01.12


Am Freitag, 23.12., machen wir um 15.40h fest im Süden FUERTEVENTURAS' in MORRO JABLE. 15 Stunden unter herrlichen Segelkonditionen (23 Grad, Sonne und blauer Himmel, Windstärke 4-6 raumschots) hat die Überfahrt von 87 Seemeilen ab Lanzarote gedauert.

Wir liegen längsseits Finger an einem Schwimmsteg, Position 28 02'.980 N, 014 21'.626 W. Der Tag kostet 11,06 Euro, inkl. Wasser und Strom. Etwas nüchtern ist der Hafen, aber das stört uns nicht.

FUERTEVENTURA, die Wüsteninsel, karg, dünn besiedelt (mehr wilde Ziegen als Einwohner), kaum Vegetation - Liebe auf den ersten Blick ist es nicht. Aber wir haben ja Zeit, genauer hinzuschauen.




Der zweite Blick läßt die Zuneigung wachsen - es sind die kilometerlangen Traumstrände, die die Insel attraktiv machen für alle, die Wassersport (Surfen!) und Strandurlaub lieben. Hier Playa Jandia, Sotavento:







Am Hafen in Morro Jable ist eine Aufzuchtstation für Meeresschildkröten (Caretta caretta). Die Menschen haben die Schildkröten von den kanarischen Inseln vertrieben, sie sollen wieder angesiedelt werden. Die Eier werden von den Kapverdischen Inseln eingeflogen; ausgewählt werden dort Eier, die an ungünstigen Plätzen abgelegt wurden. Am Strand von COFETE im Südwesten Fuerteventuras' werden die Eier eingegraben, die ausgeschlüpften Jungtiere werden eingesammelt und zur Aufzuchtstation gebracht, wo sie ca. 1 Jahr bis zur Freilassung verbleiben. Nach ca. 15 Jahren werden die Schildkröten dann (hoffentlich) zur Eiablage an den Strand von Cofete zurückkehren.


Tägliche Abreibung



Auch wir besuchen den Strand von Cofete. Die Fahrt dorthin führt auf unbefestigten, schmalen und kurvigen Strassen durch die Berge. Manchmal denke ich, Leitplanken hätten schon sein dürfen. Fantastischer Naturstrand, Ozean pur.





Er schließt Tim ins Herz:





Petra & Markus & Marleen & Baby Caroline sind da! Sie wohnen in einem guten Hotel in Morro Jable, direkt am Strand. Wir freuen uns und werden viel gemeinsam unternehmen.



Mit unseren Leihwagen fahren wir über die Insel. Wir besuchen u.a. CORRALEJO, im Norden. Der Ort hat, anders als die meisten sonstigen Touristenresorts, Charme und Atmosphäre. Die Dünenlandschaft und Strände begeistern uns - und viele Kitesurfer.



Jean-Baptiste, Cousin aus Frankreich, ist da! Bienvenue, wir freuen uns. Er wird vom 31. Dezember bis zum 06. Januar bei uns auf Lime Light sein.



Gemeinsam feiern wir Sylvester im Hotel von Petra & Markus. Es ist ein sehr netter Abend - ein vorzügliches Buffet, anschließend Party im Poolgarten, wir alle haben Spaß und erfreuen uns am Feuerwerk zur Jahreswende. Für einen Barbaren hält mich meine Tischdame Caroline - entsetzt und ungläubig schaut sie zu, wie ich Langusten und Garnelen die Beine breche und den Kopf aussauge - iiiih.






Die Tage fliegen dahin. Wir verbringen einige Tage am Strand.
J&B und Rauf, hin und wieder auch Tim, surfen und haben Spass. Tim spielt viel Fußball mit anderen Jungs, auch Markus, Caroline und Marleen mischen mit.  Nachdem Zehenbrecher Tim dabei (versehentlich) einen meiner Zehen übelst malträtiert hat, humple ich 3 Tage durch die Gegend.

Unser Lieblingsrestaurant ist Morro Jable ist auch ausgemacht - "Vesubio", an der Promenade. Ziegenbraten, Barrakuda, Krake, Steaks - alles sehr gut, zudem freundliche hombres dort.

Blick auf Morro Jable
Unser Strand

Begegnungen mit wilden Tieren und dem Meer:



"hey, gib uns was ab"


"Soll ich?"

"Oops"

"Nix wie weg"

"Hi hi"

Jean-Baptiste und auch Petra&Markus&Marleen&Caroline müssen zurück in den Winter und fliegen am 7. Januar  heim- wir hatten ein schöne Zeit zusammen, Merci!

Am Morgen des 08. Januar werden wir in Morro Jable ablegen und ca. 70 Seemeilen nach GRAN CANARIA - LAS PALMAS segeln, wo wir voraussichtlich 4 Wochen bleiben werden.