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Mittwoch, 1. Mai 2013

Sardinien - Porto Ottiolu 29.04.- 03.05.2013

Zwischen Flaute und Sturm der Stärke 8 wurde uns alles geboten auf der 22 Seemeilen kurzen Reise von Olbia nach PORTO OTTIOLU, wo wir am Montag, 29. April, am Steg „S6“ an einer Mooring festmachen, Position 40 44‘.400 N, 009 42‘.561 E. Es ist wie nach Hause zu kommen – unsere Freunde von „Cachaca“ und „Grace“ helfen beim Anlegen und begrüßen uns am Steg, wir freuen uns sehr über das Wiedersehen. Die Marina, gelegen in einem Ferienresort a la Porto Cervo, ist nett und mit 10,55 Euro/Tag billig - bis zum 01. Mai. Dann vervierfacht sich der Preis - so ist's hier in Sardinien. Im August wird die Nacht wahrscheinlich einen dreistelligen Eurobetrag kosten.

Zwei schöne Sandstrände grenzen unmittelbar an die Marina, eine Handvoll Restaurants säumen die Promenade.

Die ausgezeichnete Idee Björns‘, am Abend eine Strandparty zu feiern, wird begeistert aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Es war für alle ein toller Abend:
 




In einer Pizzeria verfolgen wir im TV das deutsche "11:3" gegen Spanien - welch ein Untergang für Barcelona und Madrid. Das Finale der Champions League wird von Dortmund und München in Wembley gespielt werden - freuen wir uns auf ein großes Fußballfest.

Am Freitag, 03. Mai, am Nachmittag heißt es Leinen los. Wir, und auch "Grace" und "Cachaca", legen ab. Ziel ist die kleine Insel USTICA, gelegen nördlich von Sizilien. Die Distanz beträgt ca. 230 Seemeilen, so dass wir am Sonntag, 05. Mai, am Morgen ankommen sollten.
 

Sonntag, 28. April 2013

Sardinien - Olbia 22.04. - 29.04.2013

SARDINIEN ist, nach Sizilien, die zweitgrößte Insel des Mittelmeeres. Um sie ein bisschen zu erkunden, haben wir OLBIA als Basis gewählt. Hier machen wir in der „Marina di Olbia“ am Montag, 22. April, an einer Mooring in Position 40 54‘.954 N, 009 31‘.561 E fest. Die Marina weiß mit gutem Service, hilfsbereitem Personal und fairen Preisen (23,- Euro/Nacht all in) zu überzeugen. Ein Einkaufszentrum ist in 10 Minuten entfernt, zum Stadtzentrum Olbias‘ dauert‘s etwas länger. In der Marina dient ein vertäutes Schiff als Bar und Restaurant - sehr nett die Betreiber, gut und stark der sardische Rotwein „Cannonau“, den wir mit unseren Freunden von „Grace“ und „Cachaca“ hier genießen.

OLBIA als Stadt ist auf den ersten Blick nicht sehr sexy, aber wahrscheinlich muss man einfach nur länger hier bleiben und genauer hinschauen, um die Reize zu entdecken. Ein Leihwagen macht uns mobil – Sardinien ist gebirgig, das Fahren durch die engen Bergstraßen macht zwar Spaß, dauert aber. Grün ist die Insel jetzt im Frühling, vieles blüht. Ein paar Strände sehen wir auch, traumhaft.




Porto Cervo, Sassari, Castelsardo, Porto Ottiolu, Santa Maria di Navarrese, … besuchen wir und mögen es. Besonders angetan sind wir von der Altstadt Sassaris‘:
 
 



Alghero und Cagliari (Hauptstadt) hatten wir mit „Lime Light“ bereits im Jahr 2011 besucht:

Cagliari 2011                 Alghero 2011       

 
Am Montag, 29. April, ziehen wir weiter nach Süden. Die süße Marina in PORTO OTTIOLU, ca. 23 Seemeilen von Olbia, ist unser Ziel. Hier möchten wir, gemeinsam mit den Freunden von „Cachaca“, den derzeitigen Süd-/Südostwind („Scirocco“) aussitzen, um die Passage gen Sizilien bei günstigeren Winden anzutreten.

 

Montag, 22. April 2013

Sardinien, Insel La Maddalena 19.04. - 22.04. 2013

Schönes Segeln war das! Raumschots geht’s bei Windstärke 4 und Sonnenschein am Morgen des 19. April die knapp 20 Seemeilen von Korsika zur Insel LA MADDALENA. In der CALA GAVETTA der Insel machen wir um 11.55h fest an einer Mooring am Pontoon 2, Position 41 12‘.695 N, 009 24‘.250 E. Der Preis ist mit 16,20 Euro/Nacht bescheiden, sehr freundlich sind die Marineros. Die Marina bietet guten Schutz gegen den Mistralsturm, der am Samstag durch die Straße von Bonifacio pfeift. Uns gefällt‘s.

La Maddalena mit ca. 11.000 Einwohnern ist die Hauptinsel des Maddalenen-Archipels, welcher aus 7 Inseln und vielen Felsen besteht, und auf 130 km2 Wasser- und Naturschutzpark ist. Ein Paradies für Segler (und Taucher,…) ist der Archipel, berühmt für seine wunderschönen Buchten und Strände, das kristallklare Wasser. Im Sommer würden wir sicher mehr Zeit hier verbringen, so früh im Jahr wollen wir uns auf einen kurzen Aufenthalt beschränken.




Unter den vielen Restaurants, die es in La Maddalena gibt, picken wir am ersten Abend ein Juwel heraus. Klein ist es, nur 15 Sitzplätze, aber große Küche genießen wir mit den Freunden von Cachasa im „Il Ghiottone“, gelegen direkt am Hafen. Fangfrischer Pulpo, Cozze, schwarze Spaghetti, hausgemachter Grappa und Likör. Erstklassige Pizza essen wir 2 Tage später bei „Roby’s“.
Schön, wieder in Italien zu sein!

Am Montag, 22.04., verlassen wir den sympathischen Ort und segeln nach OLBIA, gelegen an der nördlichen Ostküste Sardiniens‘, dem Tor zur Costa Smeralda.  

 

Donnerstag, 22. September 2011

Sardinien-Alghero 22.09. - 25.09.2011

Wir fahren gen Norden und in den Herbstanfang bei strahlend blauem Himmel und warmem Sonnenschein. Die südliche Westküste Sardiniens‘ ist schön. Hügel, Strände, ab und zu ein Dorf. Vor dem langen Sandstrand des Ferienortes „Torre Grande“ lassen wir schließlich nach 55 Seemeilen um 17.15h den Anker fallen. Der flache Golf von Oristano ist gespickt mit Fischereizeichen, im Zick-Zack ging’s zum Strand. Der Grund ist Sand und Schlick, 6 m Wassertiefe, optimale Ankerbedingungen. Position 39 54‘.123 N, 008 31‘.002 E.


Ankerplatz vor Torre Grande
Männchen aus dem Meer

   
Die Nacht verbringen wir ruhig. Am Morgen zum Frühstück im Cockpit müssen wir das erste Mal ein Sweatshirt überziehen, der Wind vor Sonnenaufgang ist kühl, es scheint tatsächlich irgendwie schon südeuropäischer Herbst zu beginnen.

Um 08.05h am Donnerstag Kommando „Anker auf“. Canan auf dem Vorschiff schüttelt den Kopf. Befehlsverweigerung, Meuterei?
Nein, die Ankerwinsch ist defekt, aufwärts verweigert sie den Dienst. Wir nehmen’s gelassen und als Frühsport – die Ankerkette, es sind Gott sei Dank nur 35 Meter, wird per Hand aufgeholt.

Der Landwind schiebt uns langsam aus dem Golf, wir schauen den Fischern bei ihrer Arbeit zu. 2 große Fischfarmen gibt’s, auch hier wird Fisch „geerntet“.

Beinah-Flaute, spiegelglatte See, leider motoren nötig. Morgens küstennah kutternd lassen wir bei Sonnenschein während der Meilen nordwärts nach ALGHERO die schöne Landschaft auf uns wirken.

Tim erledigt seine Schule. Die Thermik beschert uns mittags 2 Stunden die Möglichkeit schönen Segelns am Wind. Hier lernt Tim seine Schulaufgaben auch unter Segeln, mit Krängung im Boot, zu erledigen. Praxisunterricht Physik gibt’s obendrein – Dinge bewegen sich in einer Schräge, ist die Windkraft größer als die Schwerkraft heben Dinge ab. Totalverlust: 1 Bleistift.

Nach  56,2 Seemeilen machen wir um 17.15h an einer Mooring fest im PORTO D’ALGHERO, Consorzio. Super Service, und Nachsaisonpreis, 30,- Euro/Tag inkl. Wasser und Strom (die Marina St. Elmo z.B. hätte 45,- Euro gekostet). „Dominik“ geleitet uns im Dinghi zu unserem Liegeplatz an der Banchina Sanita. Er assistiert beim Anlegen und bringt später noch eine Flasche guten sardischen Weines und Infomaterial zur Begrüßung vorbei. So einfach gewinnt man Kunden. Unsere Position: 40 33‘.627 N, 008 18‘.741 E. Wir können die Fazilitäten der benachbarten kleinen, aber feinen Marina Aquatica nutzen. Insgesamt bietet Alghero ca. 1000 Liegeplätze.

Damit haben wir diesjährig den nördlichsten Punkt unserer Segelreise erreicht. Unser südlichster Standort bisher war im 34. Breitengrad, also ca. 670 Seemeilen (1240 km) weiter südlich. Ab ALGHERO geht’s dann wieder südlicher weiter, auf den Kanaren werden wir uns schließlich auf dem 28. Breitengrad aufhalten (= ca. 2500 km weiter im Süden). Zurück gelegt seit dem 09. August haben wir 1690 Seemeilen (3130 km).

Blick nach achtern
Blick nach Backbord

ALGHERO ist eine Hafenstadt mit ca. 45.000 Einwohnern und ist anders, nämlich katalanisch geprägt. Die Einwohner nennen Alghero auch „Klein-Barcelona“ und sprechen zum Teil noch einen katalanischen Dialekt. Im 14. Jahrhundert fiel Alghero an die Aragonesen, die Sarden wurden vertrieben, und blieb spanisch bis ins frühe 18. Jahrhundert.

 Die sehr schöne Altstadt, umgeben von den mächtigen Festungswällen und Wachtürmen, erkunden wir ausgiebig. Alghero ist die „Korallenstadt“, groß ist das Angebot an entsprechendem Schmuck. Die Korallenbänke sind jedoch seit geraumer Zeit streng geschützt, die Korallen aus dem Ausland.





hausgemachte Eiscreme

Surfbrett - Fischerboot !










Am Samstagmorgen fahren wir mit dem Bus zur phänomenalen „Grotte di Nettuno“. Die Fahrt geht vorbei an den schönen Sandstränden Algharos‘ und hübschen Buchten auf dem Weg zum Kap Caccia.

Das Kap ist 168m hoch, an seinem Fuß auf Meeresebene liegt die Grotte. Die 652 Treppenstufen hinab machen wir „Trapp trapp“, später wieder hinauf geht’s dann „Tripp-Pause-Tripp-Pause“.

Die Tropfsteinhöhle ist die schönste, die wir je gesehen haben. Wir erfahren, dass sie 65 Mio. Jahre alt ist. Stalaktiten brauchen ca. 100 Jahre, um 1 cm3 zu wachsen, Stalakmiten sogar 2-300 Jahre. Enorme Ausmaße haben die Tropfsteinsäulen hier.


das Kap



Schalke immer dabei ...



Dominik hat uns ein Restaurant empfohlen, das wir am Abend besuchen werden.

Morgen, Sonntag, recht früh, werden wir ablegen, Ziel ist MAHON auf MENORCA. Kürzeste Distanz 190 Seemeilen, ETA ist Montagabend.




Montag, 19. September 2011

Isola di San Pietro - Carloforte 18.09. - 21.09.2011

Gut, dass wir Cagliari verlassen haben, sonst hätten wir dort sicher weitere 3 Tage verharren müssen. Am Sonntagabend beginnend zeigt der MISTRAL (oder Maestrale) seine Klauen. Die Wellenstärke ist "7", das heißt, im Sardinischen und Korsischen Meer erreichen die höchsten Wellen im Mittel 7 Meter, darunter sicher Kaventsmänner von 10 Metern oder gar mehr.

Der Mistral ist ein starker, häufig auftretender Nordwestwind, der meist durch das Rhonetal wehend den südfranzösischen Raum und u.a. Korsika/Sardinien betrifft. Besonders heftig ist er, wenn ein Hoch über der Biskaya /Spanien und ein Tief im Golf von Genua liegen.

Wellenhöhe am Montag, Korsika und Sardinien
Wir können so eben noch durchschlupfen und machen auf der Leeseite (= Ostküste) der ISOLA SAN PIETRO in CARLOFORTE um 20.45h in der Marina SIFREDI an einer Mooring fest. Position 039 08'.842 N, 008 18'.556 E. Ab 22.00h spüren wir auch hier eine deutliche Zunahme der Windstärke.
Für die 71,5 Seemeilen von Cagliari haben wir 13 Stunden gebraucht. Wir haben mit den Kaps Spartivento und Teulada die südlichsten Punkte Sardiniens' passiert. Die Südküste Sardiniens', die Region um Cala Verde, sah beeindruckend schön aus - lange Sandstrände, keine Bausünden.

CARLOFORTE bietet ca. 600 Liegeplätze für Boote, betrieben von Sifredi und Marinatour. Die Nacht in der Marina Sifredi kostet 39,- Euro, inkl. Strom, Wasser und WiFi (Marinatour hätte 50,- Euro gekostet). Gepriesen sei die Nebensaison - im August wären es 74,- Euro gewesen. Die Marina ist gut geschützt, gepflegt, nett, mittendrin und doch ruhig.





Die Einwohner SAN PIETROS' sind im Ursprung keine Sarden, sondern Genuesen und Liguren, auch genannt Tabarchini. Genuesen waren im 16. Jahrhundert nach Tunesien-Tabarka ausgewandert, um dem einträglichen Geschäft des Korallentauchens nachzugehen. 1738, nach einer Offerte des Königs Carlo Emanuelle III von Savoyen, siedelten sie auf die unbewohnte Insel San Pietro um, da das Korallengeschäft nicht mehr rentabel war und es zunehmend Zoff mit Piraten und Muslimen gab. Im Laufe der Zeit kamen weitere Auswandererfamilien aus Ligurien hinzu. Noch heute wird auf der Insel ein Dialekt gesprochen, der sehr der ligurischen Sprache des 15. Jahrhunderts entspricht.

Die Architektur, Kultur, Bräuche und Sitten in Carloforte sind ligurisch. Der Ort sieht aus wie die (schönere) italienische Riviera. Hübsch, richtig hübsch.






Montagnachmittag tritt ein seltes Naturereignis ein. Wasser, süß, fällt aus dem Himmel. Wir graben tief in unserer Erinnerung - Regen heißt das. Nach ein paar Stunden ist es vorüber.

Im Trockenen essen wir Montagabend preiswert und gut in der Pizzeria "da Selo".
Das Abendessen am Dienstag bereitet Canan - frischen Thunfisch. Französiche Bootsnachbarn haben uns ca. 1 Kilo Filet, stammend aus 3 Thuns, die sie am Tag zuvor gefangen haben, geschenkt. Jeder war 10 bis 20 kg schwer, nur angeschnallt auf einem Stuhl zu bändigen. Mariniert in Zitrone, mit Salz, Pfeffer, Kümmel, nach Gusto Senf und Kräuter, 1a. (Volker & Kiki: unbedingt mal ausprobieren.)

Der Ernst des Lebens tangiert auch Tim zeitweise - er schreibt 2 Klassenarbeiten, Deutsch und Mathe, die wir dann per Post nach Hamburg senden. Geschummelt wird da nicht, er hat sich streng ans Zeitlimit zu halten, Hilfe von uns gibt es keine (braucht er ja auch nicht).


"Hallo Ili, wie geht's?""
Auch das gibt es noch ...
Dienstagnachmittag ziehen wir mit gemieteten Fahrrädern über die Insel. Recht grün ist sie, schöne Strände und Klippen, Flamingos in Salinen stelzend, ein Reifenplatten bei Canan!
Wir waren einige Kilometer gefahren, was nun, mitten in der Pampa, keine Luftpumpe. Ein älteres Paar Insulaner kommt uns zu Fuß entgegen, Canan spricht sie an. Der Signore hat natürlich keine Luftpumpe in der Hosentasche, aber er verspricht, und tut dies dann auch, in 10 Minuten wieder bei uns zu sein. Auf seinem Motorroller bringt er eine Pumpe, vorläufige Hilfe. Mille Grazie! Aber bald ist die Luft wieder raus, ein Loch im Schlauch. Canan muß zurück nach Carloforte, Tim und ich warten an einem Strand auf sie. Canan wird unterwegs nochmals geholfen, freundliche Menschen geben ihr Luft mit ihrem Kompressor.

Nach gut 1 Stunde ist sie, mit gewechseltem Reifen, wieder bei uns. Wir fahren weiter zu den "Colonne", 2 steil im Meer aufragenden Felssäulen, vorkommend in so machem Werbefilm für Sardinien.







Miitwochmorgen, 21., wird es weiter gehen Richtung Norden, zurück zur Insel Sardinien. 50 Seemeilen ca. wollen wir segeln, um vor Anker oder Boje bei der Halbinsel Sinis, Nähe Oristano, die nächste Nacht zu verbringen. Donnerstagabend wollen wir in ALGHERO sein. Mittwoch wird noch etwas Dünung (= "alte Welle" vom Mistral-Sturm) stehen, danach wird's ruhig sein, leider wieder Wind auf die Nase.
 
 




Donnerstag, 15. September 2011

Sardinien-Cagliari 15.09. - 18.09.2011

Wie die „Santa Monica“ auf Kaffeefahrt den Datteln-Hamm-Kanal hinauf – so pflügen wir unter Motor durch die fast spiegelglatte See von Favignana Richtung Sardinien – CAGLIARI. Beinah-Flaute, und von vorn, da machste nix, rückwärts segeln vielleicht. Schöner Sonnenuntergang und Mondaufgang, Faulenzen. Nur wenn der Ruf „Delphine“ ertönt, erheben wir uns aus der Faultierstellung. 4-mal begegnen wir ihnen und freuen uns. Delphine lösen ein gutes Gefühl aus, Tim ist immer ganz aus dem Häuschen. Fotos ihrer Sprünge wollen mir nicht gelingen, auf meine Ruf „Hopp“ reagieren sie nicht so recht. Auch nicht die Schildkröten, von denen ich einige sehe. Ich muss unweigerlich an Schätzing’s Thriller „Der Schwarm“ denken, als während meiner Nachtwache 4 Delphine plötzlich lautlos direkt neben dem Boot auftauchen. Schwarze Silhouetten, beschienen vom abnehmenden Vollmond, sie scheinen mich zu mustern.


Sardinien - arriva
Hopp...



Nur ca. 7 Stunden während der 30,5 Stunden dauernden Überfahrt, 195 Seemeilen, können wir segeln. Die aber richtig schön. Die thermischen Winde in der Annäherung an Sardinien erlauben Raum- und Vorwindkurse (= Wind von hinten), das erste Mal seit Wochen. Unter Schmetterling (= Großsegel und Vorsegel auf unterschiedlichen Seiten) werden wir bei 4-5 Windstärken in den Golf von CAGLIARI getragen, wo wir am Donnerstag, 15.09., um 15.40h in der MARINA DEL SOLE an einer Mooring festmachen. Position 39 12‘.060 N, 009 07‘.461 E.

In Cagliari gibt es 4 große Marinas. Die Marine del Sole ist die preiswerteste (etwas Campingplatzatmosphäre, aber sehr nett), wir zahlen hier letztlich 70,- Euro für 3 Nächte. Zum Vergleich: die Marina di St. Elmo hätte 42,- Euro / Tag, die Marina Portus Karalis 64,- Euro / Tag gekostet; die Marina di Bonario hatte keinen Platz. 

Zu Fuß sind’s von del Sole in die Stadt ca. 15 Minuten. Der Freitag wird Tim als „Tag des langen Marsches“ sicher lange in Erinnerung bleiben. Ungefähr 15 km laufen wir. Schauen uns die schöne Altstadt und das Castello an, suchen lange nach einer Trattoria, die uns gefällt. Pech, eine vom Reiseführer empfohlenen Trattoria etwas außerhalb der Stadt hat ausgerechnet heute zu, eine zweite Betriebsferien, eine dritte öffnet erst eine Stunde später. Die ungefütterten Frauen und Kinder unter uns werden mürrisch. Schließlich essen wir in der Altstadt sehr gut, 25,- Euro pro Nase, Wein bis zum Abwinken und 5 Gänge inklusive, sehr guter Service (Restaurant „Su Cumbidu“). Frau und Kind sind wieder mit der Welt versöhnt.

Cagliari ist die Hauptstadt der Insel, ca. 180.000 Einwohner, wichtigste Hafenstadt, kulturelles und wirtschaftlicher Mittelpunkt Sardiniens‘. Hi, Hamm hat die gleiche Einwohnerzahl, da werden Unterschiede deutlich. Kann man in Hamm eigentlich nur zum Ali gehen, so gibt’s hier unzählige Cafes, Bars und Restaurants, belebt bis tief in die Nacht. Auffällig auch die Vielzahl an Boutiquen. Die Betrachtung der sehr schicken sardischen Damen legt nahe, dass dorthin auch einiges Geld getragen wird.





Auch Cagliari war Spielball in der Geschichte: gegründet von den Phönikern, dann die Karthager, die Römer, die Langobarden, die Araber, Pisa und Genua, die spanischen Aragonen, Österreich, Savoyen-Piemont. Im 2. Weltkrieg stark zerstört.


Samstagmorgen laufen 2 Kreuzfahrtschiffe der 300m-Klasse ein. Interessant, wie sie ohne Schlepperhilfe im Hafenbecken um 180 Grad, wie eine Ballerina auf Zehenspitzen, auf dem Teller drehen, um dann rückwärts einzuparken. Moderne Technik macht’s möglich, und Schlepperkapitäne arbeitslos. Ca. 4000 Passagiere werden dann für 4-5 Stunden, durchnummeriert und in Kohorten eingeteilt, auf Cagliari losgelassen. Abends sind die schwimmenden Hotels schon wieder verschwunden. Nicht unser Ding, diese Art von Urlaub.

Am Samstagnachmittag fahren wir mit dem Bus zur Copacabana Cagliaris‘ – dem kilometerlangen Stadtstrand „Poetto“. Tausende Menschen genießen hier diesen Wochenendtag. Strandcafes, Wassersport aller Art, schöner Sand und hellblaues Meer.






Dann – Tim hat mich zu einem Fußballspiel der ersten italienischen Liga eingeladen und Tickets besorgt. Cagliari spielt gegen Novara. Interessantes Spiel, südländisch temperamentvolle Zuschauer, Sieg für die Heimmannschaft, der Schalke-Fan ist glücklich. Forza Cagliari...

Am Abend essen wir an Bord Carpaccio, sardischen Käse und Kalbsschnitzel Milanese. Dazu den guten sardischen Wein „Cannonau“ (rot, kräftig) und „Vermentino“ (weiß, frisch). Canan meint, in ihrem nächsten Leben möchte sie als Italienerin wiedergeboren werden. Na ja, denke ich, wenn’s dann den Berlusconi nicht mehr gibt, wär’s auch für mich ok.
 

Und schon wieder Abschied nehmen. Sonntagmorgen ca. 08.00h wollen wir aufbrechen nach CARLOFORTE, einem hübschen Ort auf der kleinen Insel SAN PIETRO, gelegen nahe dem Südwesten Sardiniens‘. Ein am Montag heranziehender schwerer Mistral-Sturm diktiert uns dies. Es sind ca. 70 Seemeilen.