Montag, 14. Mai 2012

Insel MADEIRA - Quinta do Lorde 09.05. - 18.05.2012

Alter Schwede - das war sehr knapp: der "Schwarze Tod" versucht unsere Lime Light zu holen, sie auf felsigem Grund an Madeiras' Küste zu versenken!

"Schwarzer Tod" nennt man Mikroorganismen, die sich in Dieseltanks sauwohl fühlen und bei übermäßigem Befall die Dieselfilter und -zuleitungen verstopfen, was zu Motorausfall führt.
Schlecht, wenn dies an engen Stellen, in der Nähe von Untiefen o.ä. passiert. Noch schlechter ist es an sehr engen Stellen bei starkem Wind. Dort trifft es, trotz aller Vorsorge, uns.

Wir kommen am Mittwoch, 09.05., um 13.00h in QUINTA DO LORDE an der Südostspitze der Insel MADEIRA (Portugal), an. Gut 300 Seemeilen haben wir seit Montag geloggt, ein gutes Gefühl da zu sein. Ein schöne Überfahrt war's, denke ich, als ich Lime Light, bei starkem Wind schräg von hinten, unter Motor in die Hafeneinfahrt eindrehe. Schmal ist die Einfahrt, 20 Meter vielleicht breit, an beiden Seiten Felsen, an denen sich die Wellen brechen.
"Nein, verdammt, nicht jetzt bitte", ist mein Gedanke, als der Motor von einer Sekunde auf die andere abstirbt! "Motorausfall, Genua hoch!", rufe ich sofort Canan und Tim herbei, die auf dem Vorschiff sitzen. Das klappt gut und geht schnell, aber wir bekommen nur mit dem Vorsegel keine Fahrt ins Schiff und treiben auf die Felsen zu. Irgendwie kriegen wir Lime Light gewendet und gewinnen etwas Zeit. Wir winken einen Marinero herbei, der mit einem Dinghi in der Nähe ist. "Push, push !", rufen wir, dies tut er auch mit dem Schlauchboot, mühsam ist das. Unendlich lang kommt uns die Zeit vor, die Felsen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite immer bedrohlich nahe, bis wir schließlich auch das Großsegel oben haben und uns freisegeln können.
Der Defekt wird dann auf See behoben. Gut so, denn von einer Minute auf die andere ist Flaute und eine starke Strömung treibt uns nach Osten ab. Ohne Motor hätten wir dann vielleicht am nächsten Morgen statt in Madeira in Marokko frühstücken können.

5 Stunden später machen wir einen 2. Anlauf auf Madeira und sind, um 19.15h, glücklich fest an einem Schwimmsteg in der Marina Quinta do Lorde. Knapp 60 Stunden haben wir ab Lanzarote benötigt, 346 Seemeilen zurück gelegt. Position 32 44'.488 N, 016 42'.709 W. Sock stinkt vom Schrauben am Motor nach Diesel, hat ein breites Grinsen im Gesicht und genießt, mit der besten Crew der Welt, sein Einlaufbier...

Ola Portugal
Einfahrt, die Zweite

Die Passage ab Lanzarote war ansonsten problemlos, sonnig, Vollmond des Nachts. Nur der Dienstag, nachdem wir am Montag prima segeln konnten, hat uns geärgert. Entgegen der Wettervorhersage, Computer sind auch nur Menschen, kaum Wind, und dann auch noch aus Nordwest statt Nordost - motoren ist angesagt. Am Mittwoch, bei der Annäherung an Madeira, wie erwartet Flaute, der Atlantik spiegelglatt, ein seltenes und schönes Bild.

Begleiter auf unserem Weg waren Schwertwale, Fliegende Fische, Schildkröten und natürlich Delphine. Hier einige vor den Ilhas Desertas, südlich von Madeira:  Delphine vor Madeira


Die Marina Quinto do Lorde hat ca. 250 Liegeplätze, überwiegend sind sie nicht belegt, und ist Teil eines Ferienresorts. Das Resort ist noch nicht ganz fertig gestellt, ausser einem Restaurant und den Einrichtungen der Marina gibt es hier eigentlich sonst nichts. Wir vermissen aber auch nichts. Das Restaurant bietet gutes Essen, einen Fernseher (BVB ist Pokalsieger!), Poolbillard und backt morgens frische Brötchen. Das Marinapersonal, geführt von Chefin Catia, ist aussergewöhnlich hilfsbereit und freundlich. Ein kostenloses Shuttle fährt auf Wunsch in die Nachbarstadt Machico oder auch in die Hauptstadt Madeiras', Funchal. Die Liegegebühr je Tag, inkl. W+E+WiFi, wird knapp 30,- Euro betragen. Technischer Service in persona Salomon erscheint am Tag nach unserer Ankunft, um einen Termin zur dringenden notwendigen Reinigung unseres Dieseltankes zu vereinbaren. Auch Safari Cat, welche am Freitag in der Marina eintrifft, kann hier einige Reparaturen machen lassen.

Marina Quinta do Lorde

Madeira - die Blumeninsel. Ca. 240.000 Einwohner, davon 110.000 in der Hauptstadt Funchal. Hier landen jährlich in etwa soviele Besucher auf Kreuzfahrtschiffen an, wie Madeira Einwohner hat. Die Insel, vulkanischen Ursprungs, ist gebirgig (höchster Gipfel 1.862 m) und, da relativ regenreich, grün. Sehr sauber und gepflegt alles, hübsch anzuschauen. Imposant die Steilküsten im Norden der Insel, ein super Spaß die Fahrt über die Küstenstraße dort.


Südosten





Und überall tummeln sich Mini-Dinos:   Video, Kampf der Echsen

So wie den Eidechsen der Apfel schmeckt, schmeckt Sock das Nationalgetränk der Madeirer: die Poncha. Zuckerrohrschnaps, Zitronensaft und Honig, gemischt im Paradies von 7 Jungfrauen.
2 Glas davon, und der sowieso himmelblaue Himmel ist noch ein Stück blauer, aller Ärger vergessen. Wie der Ärger mit unseren Batterien: obwohl erst 2 Jahre alt, "kochen" und entgasen sie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Kann sein, dass sie alle ausgetauscht werden müssen. Für das Geld könnte man 500 Ponchas trinken ...


Tim trägt einen neuen Beinamen!:


"Oh, oh, warum tue ich dies bloß??"

Video: Lauf, Flieger, lauf!

Video: Flieg, Flieger, flieg!

Video: Brems, Flieger, brems!






Einzigartig sind die Lava-Pools in Porto Moniz. Die Wellen des Atlantiks' brechen sich an der Küste, du schwimmst im Pool nur einige Meter dahinter sicher wie in Mutter's Schoß.


Und Rumpelstilzchen war auch da: Video - "Ach wie gut dass niemand weiß ..."


Madeira, Paradies für Wanderer:







Leider nur 1/2 Tag haben wir für die hübsche, lebhafte Hauptstadt Madeiras', FUNCHAL, letztlich Zeit. Aber nicht entgehen lassen wir uns eine Fahrt mit Korbschlitten im hübschen Nachbarstädtchen MONTE. 2 Km geht's hinab durch enge Gassen. Gelenkt wird nur mit den Füßen, Bremsen und ABS gibt's keine!


Video: Schlittenfahrt



Wir legen morgen, Freitag, 18. Mai, ab! Ziel: Lagos, an der Südwestspitze Portugals'.
Das werden günstigstensfalls so 550 Seemeilen (1.000 km) werden, Hoffnung ist am Dienstagabend nach ca. 110 Stunden dort zu sein. Das Wetter ist nicht optimal, aber wenn wir nicht lossegeln, hängen wir u.U. Wochen auf Madeira fest.
Denn dieser Weg wird kein leichter sein... es geht gegen den Nordostpassat und gegen die Wellen.
Meine größte Befürchtung allerdings: unsere Batterien halten nicht durch. Nächste Woche sind wir schlauer und hoffentlich vergnügt beim Einlaufbier in Lagos angekommen.

Dienstag, 1. Mai 2012

Lanzarote - Puerto Calero 27.04. - 07.05.2012

"Help"!! Es ist der 01. Mai, 09.00h morgens, an Bord von Lime Light.
"Help", und wieder "Help", hören wir jemanden, männlich und britisch, laut und panisch um Hilfe rufen, "Help"!!  Canan läuft los, ein Funkgerät dabei, Sock muss sich erst aus dem Pyjama schälen und folgt.
Für diesen Mann hat sich unser ungeplanter Umweg über LANZAROTE - PUERTO CALERO, gelohnt.  Er ist ins Hafenbecken gefallen und kommt allein nicht aus dem Wasser. Canan und den über Funk von ihr verständigten Marineros gelingt es, den Gentleman auf den Steg zu ziehen. "Bloody hell, it's my birthday today", erklärt er, und dass er schon sehr lange vergeblich versucht habe, an Land zu kommen. Von uns auf jeden Fall "Herzlichen Glückwunsch". Er hat's unbeschadet überstanden, 10 Minuten nach seiner "Rettung" sitzt er bei einem Bier in einer Bar (vielleicht vielleicht nicht das Erste an diesem Tag; wenn dem anschließenden Gezeter und Gekeife seiner Holden zu glauben ist, war's wohl so. Deerr Geburtstag ist ins Wasser gefallen.).

Am Fr., 27. April, hatten wir nach 263 Seemeilen und 50 Stunden ab Santa Cruz de La Palma fest gemacht in PUERTO CALERO auf Lanzarote - dies war eigentlich nicht so geplant. Hier, wo unser sonniger Winter auf den Kanaren am 21.11.2011 nach 700 Seemeilen Überfahrt ab Gibraltar begann, sollen wir nun auch Abschied von den Kanaren nehmen. Das ist wahrlich nicht schlimm - wir lieben es, hier zu sein. Unsere Freunde auf Safari Cat treffen am Samstag auch ein, perfekt.

Unsere Lanzarote-Erlebnisse aus November und Dezember 2011:  Lanzarote Nov/Dez 2011

Von Santa Cruz de la Palma waren wir zunächst 230 Seemeilen zur Insel LA GRACIOSA gesegelt. Vergeblich, nur 1 Stunde Aufenthalt dort am Freitagmorgen war uns vergönnt, die Marina war voll. Die 33 Seemeilen ab dort nach Puerto Calero bläst uns Südwind mit 5 bis 6 Windstärken direkt auf die Nase, so dass wir mehr als 7 Stunden benötigen.
Auf der gesamten Überfahrt ab La Palma war der Wind leider meist nicht günstig für uns - ausnahmsweise nicht zu stark, sondern zu schwach. Nur etwa 10 Stunden Segeln waren möglich.
Ansonsten war es schön. Meist sonnig, mit 1 bis max. 3 Meter Schwell kein unangenehmer Seegang. Viele Delphine und Wale kreuzen unseren Weg und sorgen, wie auch eine Möwe, die offensichtlich einen Vogel hatte, für Abwechslung.

Möwe "mit Meise"
Sie versetzt Canan einen Riesenschreck, als sie mit ausgebreiteten Schwingen zur Landung auf unserem Beiboot ansetzt. Dort verweilt sie ungeniert eine halbe Stunde, putzt sich, verdaut ihre letzte Mahlzeit, war augenscheinlich Fisch. Dann hebt sie zur Erleichterung Canans' ab und landet hinter uns im Wasser. Aber sie kommt zurück - Landeplatz diesmal auf unserem Sonnenverdeck. Da ich dort keinen verdauten Fisch dulde, schubse ich sie von unten, wenn immer ich ihre Füße ausmachen kann. Das gefällt der Möwe, das macht ihr Spaß. Trampolin. 5 Minuten schubse ich, findet sie super. Erst dann läßt sie sich wieder auf unserem Beiboot nieder und bleibt noch eine Zeit unser Gast, bevor sie entfleucht. Deli kus, güle güle.
Diese Wegbegleiter scheinen auch immer Spaß zu haben, man warte auf die Luftsprünge am Ende des Videos:   Delphine


Für den 300 Seemeilen langen Weg zur Insel MADEIRA müssen Safari Cat und wir hier auf Lanzarote auf ein passendes Wetterfenster warten. Nordostpassat in moderater Stärke, passabler Seegang - das wäre es. Aber jetzt wehen erst einmal westliche und nordwestliche Winde, Änderung vor Ende dieser Woche nicht zu erwarten. Wir werden die Zeit auf Lanzarote genüßlich zu nutzen wissen und es uns gut gehen lassen.


Sonne, Ausflüge in die faszinierenden Landschaften Lanzarotes‘, gutes Essen - die Zeit vergeht schnell.

Traurig, sehr traurig - tragische Unglücksfälle reißen zwei unserer Freunde aus dem Leben. Wir beklagen den unerwarteten Tod von Hannelore und Mr. Acer. Sie waren uns sehr gute Freunde. Vor allem Hannelore, sie gab uns Richtung und Weg, hat viel mit uns gesprochen, viel zu selten haben wir ihr Danke gesagt für ihre Hilfe. Nun liegt sie auf dem Grund des kalten Meeres, unwürdig war ihr Abgang. Sie fiel Sock aus der Tasche, plöpp, weg war sie.

Heute, 05. Mai, folgte ihr Mr. Asus ins nasse Grab. Dramatisch, begleitet von Heulen und Wehklagen, zu spät jeder Versuch der Rettung.
Ach, was soll's, sh.. happens - wir haben unser Auto-Navigationssystem und ein Netbook beim Verlassen des Bootes ins Wasser fallen lassen. Wut, Ärger, Fluchen - kann passieren, nach gerauchter Zigarette und getrunkener Dose Bier geht's wieder. Mögen sie in Frieden ruhen...


Aleae iactae sunt - Montag, 07.05., kurz nach Sonnenaufgang, wird's losgehen. Ziel Insel MADEIRA (Portugal), kürzeste Distanz ca. 300 Seemeilen. Die Wettervorhersagen lassen eine ruhige Überfahrt erwarten. Schauen wir mal, am Mittwochabend nach Ankunft sind wir schlauer.


Traurig nehmen wir Abschied von den Kanarischen Inseln, es war der beste Winter unseres Lebens. Das Beste hier - die Menschen. Außergewöhnlich (!) gastfreundlich und sympathisch - GRACIAS!



 

Samstag, 31. März 2012

La Palma - Santa Cruz 26.03. - 25.04.2012

Uff, die ersten 3 Stunden der Überfahrt von La Gomera zur Isla Bonita, LA PALMA, sind anstrengend. Gegen die "Gomera-Düse" in Windstärke 5-6 und stark südlich setzenden Strom geht's nur mit 3 Knoten Fahrt voran. Aber dann - Autopilot aus, Am-Wind-Kurs bei Bft 4-5,  Lime Light rauscht mit 7.5 - 8.5 Knoten SANTA CRUZ de LA PALMA entgegen. Jede Minute dieses Segelns bei strahlendem Sonnenschein macht Riesenspaß. Nach 62 Seemeilen und nur knapp 9 Stunden machen wir fest längsseits Finger an einem Schwimmsteg in der Marina La Palma. Position 28 40'.752 N, 017 45'.998 W.

30% Rabatt gibt es für einen min. 4-wöchigen Aufenthalt hier - wir zahlen, all in, 14,77 Euro/Tag. Die Marina hat erst vor gut einem Jahr eröffnet und ist noch fast leer; in den ca. 150 Liegeplätzen liegen vielleicht 10 Segelyachten. Wir parken in erster Reihe, direkt vor den 3 Restaurants, die es in der Marina gibt. Die sanitären Anlagen sind luxuriös, das WiFi-Netz sehr gut, der SPAR-Supermarkt der Marina preiswert, die Marina-Angestellten ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Einzig gelegentlich nervend ist der bei ungünstigen Verhältnissen auftretende Schwell im Hafen.

Schön, und typisch für die extraordinäre Gastfreundschaft auf den Inseln ist, dass wir den benachbarten Königlichen Yachtclub, Real Club Nautico, und hier vor allem die Swimming Pools, Dampfbad und den Fitnessraum, kostenlos nutzen können,  auch das Essen dort ist gut und sehr günstig. Stil hat das Restaurant, einen ausgezeichneten Service, königlich halt...

Die Stadt Santa Cruz, ca. 15.000 Einwohner, ist in 2 Minuten per pedes erreicht - snuggelich ist sie. Große Fußgängerzone, hübsche bunte Häuschen, entspannte Atmosphäre.






LA PALMA, eigentlich San Miguel de la Palma, ist die nordwestlichste der sieben großen Kanarischen Inseln. Der üppigen Vegetation und natürlichen Schönheit wegen heißt La Palma auch isla bonita („die schöne Insel“) und isla verde („die grüne Insel“). Vom Meeresboden in etwa 4.000 Metern Tiefe erhebt sie sich fast 6.500 Meter und ist damit steilste Insel der Erde.



La Palma ist Vulkaninsel. Der letzte Ausbruch war 1971 bei Fuencaliente, der Vulkan ist noch nicht erloschen, auch unterseeische Vulkane sind aktiv.


Vulkan Teneguia



La Palma könnte die Welt verändern - es gibt Theorien, dass die westliche Flanke des Südteiles der Insel bei einem erneuten Vulkanausbruch instabil werden und ins Meer abrutschen könnte. Dieser gewaltige Erdrutsch würde eine Folge riesiger Flutwellen auslösen, die sich z.B. an der amerikanischen Ostküste bis zu 25 Meter hoch auftürmten.


Sock allein zuhaus )-:  - Canan und Tim machen Urlaub vom Urlaub und fliegen am 28. März nach D'land. Canan wird von dort noch einen Abstecher nach Istanbul machen, zurück kommen die Beiden am 13. April. Ich vermisse sie ... xxx.


29. März - Generalstreik in Spanien. Also, nicht Generäle streiken, sonden fast alle. Protest gegen die Pläne der Regierung, die das Staatsdefizit und Verschuldung senken sollen. Notwendig, aber hart. Die Arbeitslosenquote Spaniens' ist 23%, bei den unter 25-jährigen fast 50%. In den Großstädten gibt's vereinzelt Randale, auf der Isla Bonita bleibt der Streik fast unbemerkt.


La Semana Santa - die Karwoche. Begangen mit zahlreichen, eindrucksvollen Prozessionen. Etwas bedrückend die Atmosphäre - schweigsam ziehen Hunderte, oft barfuß, einige mit Ketten an den Füßen, in ihren Kapuzen zum monotonen Tamtam der Trommeln durch die Straßen. Ist halt, schade eigentlich, aber dem Anlaß entsprechend, kein Karneval mit Sambatänzerinnen...






Sock allein zuhaus ernährt sich abwechslungsreich - Bockwurst und Bier an geraden Daten, Pizza und Bier an ungeraden. Die Zeit vergeht ansonsten mit Arbeiten am Boot, Stadtbummeln, Lesen, Internet, Ausflügen mit Fagas.

Bei einem dieser Ausflüge sammeln wir von Feigenkaktussen Läuse ein – der karminrote Farbstoff „Cochenille“ in diesen Läusen taugt prima zum Ostereierfärben (und wird z.B. auch für Campari verwendet). Früher war die Gewinnung des Farbstoffes lukrativ, Läusesammler ein Beruf, synthetische Farbstoffe haben ihn abgelöst. Aus die Maus für die Laus.

lausige Arbeit

mein Osternest von Fagas



Tim und Canan kehren am 13.04. zurück. Sie haben Freunde und Familie wieder gesehen und hatten eine schöne Zeit in D'land und Istanbul. Tim's Kanarenspeck ist weg - Dank an Igor, 1 Woche Schwimmen im Trainingslager von Rote Erde, 8 km Bahnen täglich. 

http://www.rote-erde-hamm.de/News_23.html

Alte Freunde:




35% der Fläche La Palmas' stehen unter Naturschutz, die gesamte Insel ist ein Biosphärenreservat. Am beindruckendsten ist sicher die CALDERA DE TABURIENTE - mit 28 km Umfang größter Senkkrater der Welt. Den Kraterrand umgibt ein Ring aus Berggipfeln zwischen 1.700 und 2.400 m Höhe. Wer hier wandert, sollte schwindelfrei sein, nix für Sissis. Die Fotos trügen etwas, da sie in recht großer Höhe aufgenommen sind - die Insel ist grün, blühend, und von ca. 800 bis 1.200 m Höhe dicht mit Lorbeerwald bewachsen, von Bächen durchflossen.



Auf dem höchsten Gipfel, den Roques de los Muchachos, in 2.400 m Höhe, oberhalb der Wolkengrenze, befinden sich 14 internationale astronomische Observatorien, darunter das größte Spiegelteleskop der Welt "GTC", 10.5 m Spiegeldurchmesser. (Das "GTC" kann man mieten - je Sekunde Sternengucken werden 2,- Euro fällig.)

Auf La Palma herrschen an mehr als 300 Tagen im Jahr optimale Bedingungen zur Erforschung des Weltraums - wolkenloser Himmel, geringe Windturbulenzen. Die Inselregierung hat übrigens ein "Lichtschutzgesetz" erlassen, dass Strassenbeleuchtung, Leuchtreklame etc. eng reglementiert, um diese Bedingungen nicht zu beeinträchtigen.
Wir besichtigen eines der Teleskope, "William Herrschel",  lange Zeit größtes Teleskop Europas'. Toll und sehr interessant. Hier erfahren wir u.a., dass die Digitalkameras der Teleskope bei minus 165 oder sogar minus 265 Grad Umgebungstemperatur die besten Fotos machen, die Erde vermutlich in ca. 5 Milliarden Jahren von der Sonne verschluckt werden wird, alle Menschen eigentlich Sternenstaub sind, Tim Eisen in seinem Blut hat welches vielleicht schon im Blute eines Dinosauriers' floß und vieles mehr...



Fotos der Teleskope



Ab Montag, 23.04., werden Wettervorhersagen aufmerksam studiert. Wir brauchen ein Wetterfenster, eine Störung im ansonsten fast immer vorherrschenden Wettersystem mit dem Hoch über den Azoren, das uns den Weg nach Norden/Nordnordost, Ziel Insel MADEIRA, ermöglicht. Diese günstigstensfalls ca. 270-300 Seemeilen werden hart sein, Körper und Seele läutern, gegen den sehr hohen Seegang und gegen den Nordostpassat wird's gehen. Im schlechteren Falle können aus den 300 Seemeilen, gezwungen auf die elendige Kreuz gegen Starkwind/Sturm/Seegang, auch 600 werden.
Vielleicht vielleicht wird's ab Donnerstag möglich sein - West- und Nordwest- statt Nordostwind. Aber schwere Stürme in der Biskaya - das wird uns Wellen in 3-5 m Höhe bescheren. Schauen wir mal... einige Segler sagen, eine Passage von La Palma nach Madeira ist unmöglich.

Plan B sieht vor, von La Palma erst, auf Ostkurs, nach Lanzarote oder zur Insel La Graciosa zu segeln. Von dort aus könnten wir nach Madeira, auf Nordnordwest-Kurs, auch bei Nordostpassat segeln. Dieser Plan bedeutet jedoch in jedem Fall zusätzliche 260/270 Seemeilen.


Tamam, los geht's am 25.04. nachmittags - Leinen los, Kurs LA GRACIOSA, kleine Insel nördlich von Lanzarote. Madeira wäre aufgrund Seegang und Windrichtung zu mühsam. Auch das Segeln nach La Graciosa wird keine Kaffeefahrt werden, der Seegang wird ab Donnerstag später Nachmittag recht ungemütlich sein. Wir hoffen, am Freitagvormittag nach ca. 240 Seemeilen dort in der kleinen Marina festzumachen. Ausweichhäfen wären ggf., zu einem frühen Zeitpunkt, Santa Cruz de Tenerife oder, später, Marina Rubicon, evtl. auch Puerto Calero auf Lanzarote.


Sonntag, 4. März 2012

La Gomera - San Sebastian 02.03. - 26.03.2012


Wale und Delfine ziehen mit uns ein Stück des Weges von Teneriffa nach LA GOMERA, der zweitkleinsten der sieben kanarischen Hauptinseln. Nach 5 Stunden, mit überwiegend schwachem Wind von vorn, machen wir fest längsseits Finger in der Marina von SAN SEBASTIAN, Position 28 05'.340 N, 017 06'.550 W. Ca. 150 Yachten finden hier Platz. Nach dem Preis fragen wir nicht bei der Anmeldung - wir wollen sowieso an diesem schönen Ort bleiben. Wahrscheinlich wird es keine 20,- Euro/Tag, all in, kosten, eigentlich unbezahlbar ist es.





Bei der Ankunft winken uns von der Mole unsere Schweizer Freunde von Safari Cat zu, sie sind schon 1 Woche hier und begeistert vom Charme der Stadt und Insel. Wir freuen uns über das Wiedersehen.
Und wirklich - es ist Liebe auf den ersten Blick. Die Marina liegt direkt an der Stadt (ca. 9.000 Einwohner, Insel gesamt ca. 23.000), zu beiden Seiten gibt es schöne (schwarze) Strände. Das Städtchen, "La Villa", wie die Einheimischen San Sebastian nennen, erschließt sich sofort, ein Wohlfühlort.




"Mummy, we played football with real Spanish kids, there were loads of them!" ist Tim bereits am ersten Abend begeistert; Sofia, Luka und er haben 3 Stunden mit mehr als 20 einheimischen Kindern Fußball gespielt. Ebenso begeistert die 3 ein Segelkurs - am ersten Wochenende absolvieren sie Theorie und Praxis des Opti-Segelns. Alles in Spanisch, mit einheimischen Kindern, super. Diese 2 Tage, man staune und freue sich, kosten eine Gebühr von 10,- Euro. Später werden noch 4 Tage Segeln und 3 Tage Windsurfing, auch für 5,- Euro, folgen.





"Hola Tim, Hola Sofia, Hola Luka" - das allabendliche Fußballspiel auf dem Plaza von La Villa gefällt auch der Inseljugend, nett grüßen sie mittlerweile die 3 Blondies aus dem Norden. Gekämpft wird hart, die Konföderation und Deutschland wissen durch ihren Einsatz die technische Überlegenheit der Spanier auszugleichen. Vorbild für die EM im Juni... mein Tip: Endspiel D:E - 2:1 (die Konföderation Helvetica ist ja bei der EM leider nicht dabei).
"Hola Sock" ruft zwar die Bedienung in der Bar "Cuba Libre", in der Vatter Sock das Fußballgerangel auf dem Plaza regelmäßig verfolgt, noch nicht - aber immerhin gibt's zum täglichen Sundowner jetzt auch schon gratis ein paar Erdnüsse gereicht.
Die große Gastfreundschaft der Gomeros macht Tim noch glücklicher - Canan arrangiert für Tim die Möglichkeit zur Teilnahme am Fußballtraining der Hauptstadtmannschaft - den "Leones". Aufgeregt ist Tim vor dem 1. Training, aber auch hier, bei den Löwen San Sebastians', wird er wie selbstverständlich und mit großer Freundlichkeit aufgenommen. Zweimal die Woche geht's hart ran - Muskelkater hat Tim, aber Riesenspaß. Sofia packt ebenfalls das Fußballfieber - als einzige Löwin unter den rund 20 Löwen trainiert auch sie mit.

Am Donnerstagnachmittag, 8. März, verdustert sich der Himmel. Das, was wir zunächst für dichten Nebel halten, ist Sandstaub aus der Sahara - CALIMA.


Alles wird mit der feinen ockerfarbenen Sandschicht überzogen, afrikanischer Puderzucker. Wir hoffen, es stimmt nicht, was in Wikipedia zu lesen ist: "Calimawetterlagen können mehrere Wochen andauern...".

La Calima endet überraschend bereits am Freitag. Samstag schnellt der Wasserverbrauch in der Marina in die Höhe - die Boote werden von Orange auf Weiß zurück gewaschen.

Eine erste Bergwanderung, hinunter in das hübsche Örtchen PLAYA SANTIAGO, beschert Muskelkater. Wie schön diese Insel ist! Wem es hier nicht gefällt, dem gefällt's nirgendwo.
Sonntags fahren wir mit dem Leihwagen (119,- Euro/Woche) in den Norden der Insel, nach HERMIGUA, AGULO und VALLEHERMOSO, allesamt pitoreske Dörfer, zurück durch den Nationalpark GARAJONAY mit dem höchsten Berg der Insel, 1487 Meter. Hier gedeiht der größte noch zusammenhängende Lorbeerwald der Erde, urwaldartig, grandios. Ein Paradies!










Weitere schöne und anstrengende Wanderungen, Tim ist zeitweise not amused, im Valle Gran Rey und bei El Cedro folgen. Einen schönen Nachmittag mit Grillen verbringen wir bei Laguna Grande, wo große steinerne Grills und Öfen sowie Feuerholz für die Besucher zur Verfügung stehen.


Es gibt eine Besonderheit auf La Gomera: EL SILBO, eine PFEIFSPRACHE, die sich bis heute auf der Insel erhalten hat. Die genauen Ursprünge der Pfeifsprache sind nicht eindeutig. Gesichert ist, dass zwei französische Missionare im Jahre 1413 in einer Schrift einen merkwürdigen Stamm auf den Inseln erwähnen, „der nur mit den Lippen spricht“. El Silbo entstand aus dem Bedürfnis, sich über die vielen tiefen und weiten Schluchten der Insel zu verständigen. Die Reichweite kann, je nach Windrichtung, acht bis zehn Kilometer betragen. Noch im Spanischen Bürgerkrieg wurden die Männer, die die Pfeifsprache beherrschten, die Silbadores, von beiden Seiten zur Nachrichtenübermittlung an der Front eingesetzt. Seit einigen Jahren wird El Silbo auch wieder an den Grundschulen gelehrt.


Happy Birthday, lieber Timmy, happy Birthday to you! Am 22. wird Tim 11! Nix mehr "kleines Männchen", "Zwerg", "Babymaus" ...  fast ein Tee-Nager nun.





"Ich will hier nicht weg", sagt Canan, Tim "ich möchte ein Gomero werden". Sock denkt dies auch und sagt denoch "Am Montag geht's weiter nach La Palma." Schön war es auf La Gomera, kleine Insel mit großer Gastfreundschaft, sympathischer Marina und faszinierender Natur. Wir haben uns zuhaus gefühlt.

Am frühen Morgen des 26.03. werden wir, gemeinsam mit Safari Cat, ablegen zur ca. 60 Seemeilen langen Überfahrt, Kurs Nordwest, in die Haupstadt SANTA CRUZ der Insel LA PALMA. Es wird gegen Welle und Wind gehen, 12 Stunden werden wir wohl brauchen.

Javier, Tim's Segellehrer und ein toller Typ, pfeift zum Abschied in El Silbo "ADIOS..."