Montag, 22. August 2011

Kreta - Chania 22.08. - 27.08.2011

Am 22.08. um 09.00h trägt uns die 2 m hohe Dünung durch die umbrandete Einfahrt in den Hafen CHANIAS'. Tassos, der Marinero, reicht uns die Mooringleine, um 09.15h sind wir fest direkt an der Hafenmole im inneren Basin des venezianischen Hafens'. Position 35 31' 113 N, 024 01' 178 E.
146 Seemeilen, 26.5 Stunden liegen hinter uns. In der Nacht haben wir Heraklion, die größte und Hauptstadt Kretas', und (leider) Rethimnon, vielleicht die schönste Stadt der Insel, passiert.


Griechische Fregatte
Fliegender Haifisch
Chania, wir kommen...


CHANIA, mit ca. 60.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt, ist von grüner Landschaft umgeben, im Hinterland die bis zu 2400 m hohen Weißen Berge. Die oft schön renovierten venezianischen und türkischen Häuser in der großen Altstadt, die schmalen Gassen, der venezianische Hafen, die Vielzahl der Tavernen und Bars, geben der Stadt ein ganz besonderes Flair.  http://www.chania.gr/en

Wir liegen direkt an der Hafenpromenade, der Flaniermeile der Stadt. Die Tavernen, Discos und Bars, meistens chic und mondän, sind von 08.00h bis 04.00h geöffnet, es ist richtig was los. An dem Bug unserer Lime Light zieht, besonders am Abend, ein endloser Strom der internationalen, überwiegend eher jüngeren Touristen vorbei - Hafenkino. Auch unter Griechen scheint Kreta als Ferienziel sehr beliebt zu sein, wen wundert es, zudem weiß auch die einheimische Jugend das Leben zu genießen.

Nach kurzem Ausruhen, einer Dusche mit dem Wasserschlauch auf der Mole (quasi um Restaurant, Segler sind da schmerzfrei) und 2 Eiskaffee sind wir wieder fit und machen unseren ersten Bummel durch die Stadt. Wir lieben es, vielleicht ein bißchen zu voll (Hochsaison). Auch 100 Fotos könnten die ganz besondere Atmosphäre dieser Perle Kretas' nicht annähernd vermitteln.







Tim ist Papa geworden!
Mit 30,- Euro aus seiner Spardose in der Tasche und der Absicht, dafür 2 Fußballtrikots zu erstehen, schlendern wir über die Hafenmole. Ein Stand mit 2 jungen Mädels erweckt seine Aufmerksamkeit. "We can all live together" - es geht um Meeresschildkröten, Caretta caretta. Sie sind vom Aussterben bedroht - Zerstörung der Strände, an denen sie ihre Eier legen, irritierende künstliche Lichtquellen bei den Brutplätzen (die Schlüpflinge laufen angeboren Richtung Meeresglitzern, werden dadurch in tödliche Richtungen geleitet), Meeresverschmutzung, Fischernetze,....

Kreta, neben Zakynthos und dem Westpeleponnes, ist einer der wichtigsten Brutplätze im griechischen Mittelmeer. Hunderte von Caretta caretta kommen zwischen Mai und Ende August an die kretischen Strände, an denen sie auch geboren wurden, um Eier zu legen.

Tim adoptiert ein Schildkrötenbaby, um das sich Archelon (www.archelon.gr) kümmern wird. Er tauft sie Emma. Statt (überflüßiger) Fußballtrikots Spende für diesen guten Zweck, bravo Tim! Möge Emma ihm viele Enkel schenken.

Stolzer Papa

Canan und Tim besuchen das Archäologische Museum. Anschließend gönnt Tim sich und seinen geschundenen Matrosenfüßen was.

Es kitzelt...



Am Mittwoch, 24., leihen wir uns ein Gefährt, das in seinem früheren Leben wahrscheinlich ein Auto war.  Mit der Klapperkiste machen wir einen Ausflug über die östlich von Chania gelegene Halbinsel AKROTIRI. Vorbei an Souda, Marinestützpunkt und Raketenbasis, quält sich unser Vehikel über enge Serpentinen mit röhrendem Auspuff in die über 500 m hohen Berge zum Kloster AGIA TRIADA. Aus dem 17. Jahrhundert, bewohnt von 7 orthodoxen Mönchen. Beeindruckend schön. Interessant auch die Ausstellung von bis zu 900 Jahren alten Pergamenten, Handschriften, Gewändern Ikonen etc..








Vom nahegelegenen Kloster GUVERNETU aus wandern wir einen steilen Felspfad hinunter zum verfallenen Kloster Katholiko und der Tropfsteinhöhle JERO SPILEO.




Nach der anstrengenden Wanderung gönnen wir uns Abkühlung am schönen Sandstrand von KALIVES, bevor wir die Rückfahrt über APTERA (Ausgrabungsstätte und türkische Burg), durch zauberhafte Küstenorte und urige Bergdörfer antreten.

Burg KOULES




Am Abend finden wir die Taverne "Schwarzes Schaf" (Odos Epimenidou 19). Riiieesenportionen, sehr preiswert, sehr gut. Bereits nach 4 Mezes, darunter ein Teller gebratene Leber, für den sicher 150 Hühner ihr Leben lassen mußten, geben wir auf, sonst platzen wir. Inkl. Wein und Getränke für uns 3: 31,- Euro. Wir kommen wieder...

Chania:

BMW Oldtimer





Seit heute morgen haben wir neue Bootsnachbarn. Man ist ja gern unter Seinesgleichen.  (-:

 Canan fragt gleich, ob George Clooney an Bord sei. Ist er nicht. )-:

Die "Ocean Pearl" kann man chartern - 130.000 EURO die Woche.

http://www.jameslist.de/advert/89991/for-rent-charter-rodriquez-ocean-pearl


Ich beschäftige mich mit dem Wetter. Vor Samstagnachmittag werden wir wohl nicht Richtung MALTA ablegen können. (Auf der Karte, Prognose für morgen, ist Kreta die große Insel unten, wir sind links oben auf der Insel und müßten da durch, wo's dunkelrot ist. 4-5 m Wellen wahrscheinlich, nein Danke schön.)


Am Donnerstagmorgen läuft eine französische Yacht ein, ich helfe beim Festmachen. Der Eigner, Jean-Louis, ist sehr nett, im Ruhestand, segelt mit seiner Lebensgefährtin Cecilie 6 Monate im Jahr. Sie kommen aus Gramvousa, einer Bucht mit Südseecharakter im Nordwesten Kretas'. Sie lagen dort, wegen Starkwindes und Seegang (!), 7 Tage vor Anker. Auch unsere Nachbarn Fritz und Elisabeth, Schweizer auf ihrem Katamaran, seit 4 Jahren im Mittelmeer segelnd, warten schon mehr als 7 Tage in Chania auf annehmbares Wetter für die Passage zum Peleponnes. Es gibt schlimmere Formen der "Gefangenschaft", oder? Segler brauchen Geduld... und handwerkliches Geschick. Jean-Louis verbringt den Tag damit, ein Leck im Frischwassertank zu finden und zu reparieren.

Am Abend gesellt sich die "Fire Lady" (Zitat Tim) auf eine Tasse Rotwein zu uns an Bord. Cory, 24 Jahre jung, Amerikanerin, Jongleuse und Tänzerin. Jeden Abend präsentiert sie auf der Hafenmole ihre ansprechende Tanzshow. Wir, und das übrige Publikum, applaudieren begeistert und werfen mit Freude 1,2 Euro in ihren Hut. Cory fliegt am Samstag nach Athen, dann nach Barcelona, um von dort aus "irgendwie" über Kroatien nach Kuba und Argentinien, dort will sie eine Zirkusschule besuchen, zu gelangen. Freiheit ... und die Einnahmen aus dem Hut sind gar nicht übel.

Fire Lady

Per Bus fahren wir nach RETHIMNON (1 Stunde, 6,20 Euro ow), die Küstenstrasse entlang den schönen Sandstränden der Region. Rethimnon ist eine Stadt (ca. 30.000 Einwohner) wie aus dem Bilderbuch. Die Gassen der Altstadt noch ein bißchen enger, bunter und romantischer als in Chania, die palmengesäumte Promenade entlang des Hafens und der kleinen Marina erinnert an die Cote d'Azur.  Und die shops....
Auf einem Hügel über der Stadt thront die mächtige Festung "Fortezza", Grundsteinlegung durch die Venezianer 1573, umgebaut durch die Türken in der Zeit nach der Eroberung Rethimnons' im Jahre 1646 bis zum Ende der osmanischen Herrschaft im Jahr 1897.
Wir sind begeistert, diese Stadt ist einzigartig.


Koschinsky auf Reisen





Was macht das Wetter? Soeben kommt über NAVTEX eine Sturmwarnung für das Seegebiet, das wir passieren wollen auf dem Weg nach Malta. Schaunmerma - ich schenke mir einen Ouzo ein.
Unseren netten Schweizern nebenan gebe ich die Info weiter, sie werden dann wohl doch nicht, wie geplant, Samstag in der Frühe lossegeln.

Wir planen Leinen los nach wie vor für den heutigen (Sa.) späten Nachmittag. Ausgecheckt haben wir; der Liegeplatz hat 6,02 EURO/Tag gekostet, zzgl. total 10,- EURO für Strom und Wasser.

Die Überfahrt nach MALTA - MARSAXXLOKK ist auf kürzester Distanz 465 Seemeilen lang. Ich rechne jedoch mit deutlich über 500 Seemeilen, Ankunft am Donnerstagmorgen.


Donnerstag, 18. August 2011

Kreta, Aghios Nikolaos 14.08. - 21.08.2011

Der See in der Stadt, gesäumt von Tavernen und Bars

Aghios Nikolaos ist eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern, Verwaltungshauptstadt Ostkretas'. Wunderschön gelegen an der Mirabello-Bucht im Nordosten Kretas', gesäumt von hohen Bergen. Im Sommer tummeln sich bis zu 20.000 Gäste, entsprechend lebhaft geht es zu. Die Hotels sind aber weitestgehend annehmbar in die Landschaft eingepaßt. Eine angenehme, mediterrane Atmosphäre. Kleine Gassen, Fußgängerzonen, ein Gewimmel aus Menschen, Autos und Motorrollern, gut besuchten Cafes und Tavernen, Souvenirläden und shops. Ein Busbahnhof ermöglicht Ausflüge in die Umgebung, nach Sitia, Heraklion, Ierapetra usw.. Leihwagen sind für ca. 30 Euro/Tag zu haben.









Die Marina im Süden der Stadt ist etwas ausserhalb des Zentrums, gut so. Nur 100m entfernt ist unser Hausstrand, Tim liebt es dort zu sein.

Marina

Hausstrand


Die Jungs in der Marina (Stratos, Manolis und Michaelis) sind freundlich und hilfsbereit, die Marina (www. marinaofaghiosnikolaos.gr) ist empfehlenswert.

Wir haben sehr nette Bootsnachbarn, Geoff und Pamela ("G&P") auf ihrer 47' Segelyacht "Dream". Schotten, seit 7 Jahren im Mittelmeer unterwegs, davon 4 in Aghios Nikolaos.

Auch Steven lernen wir kennen, einen Iren, 35 Jahre alt, Eigner einer 50' Oceanis "Centurion II". Sein Vater hat wohl auch noch eine Yacht, über 60' lang. Das Geld wurde mit Salat und Kartoffeln gemacht - bravo. Steven legt am 17.08. ab, einhand nach Malta. Wir schenken ihm zum Abschied einen Talisman (Evil Eye) und eine Zigarre, welche er nach hoffentlich glücklicher Ankunft in Malta (es sind ca. 600 Seemeilen) rauchen soll.

G&P sind ein Quell lokalen Wissens und helfen uns sehr. Geoff hat einen Scooter, fährt mit mir zum Steuerbüro (wg. Einklarierung in Griechenland, 29,35 Euro Eintrittsgeld sind fällig), mit Canan zu einer empfohlenen Taverne.
Dort essen wir dann auch, am 15.08., Sock hat Geburtstag, der Tip war gut. Direkt am Meer, die Hand am Puls, Meze und Hauswein sind köstlich und preiswert, der Höhepunkt sind gekochte Schnecken, "kuklus". Canan schauderts, uns Männern schmeckts.

Geoff und Canan
Schnecken
"Komm raus du..."











Gegenüber von Lime Light liegt die Yacht von englischen liveaboards, ein Ehepaar Anfang 60. Canan's erster Kommentar, als sie die Bootsdame, im ausgeschnittenen T-Shirt, das erste Mal sieht: "Diiee sind doch gemacht!" Sind diieee (ihr wißt schon) wohl auch, hier wurde der Schwerkraft etwas entgegen gesetzt.

Wir bemühen uns, die dringend benötigten Ersatzteile der Ankerführung aufzutreiben. Aus Istanbul erhalten wir negativen Bescheid, eine Anfrage bei Beneteau in Athen bleibt unbeantwortet. Also direkt in den USA anfragen. Dort sind die Teile vorrätig, der veranschlagte Preis legt mich auf's Kreuz. Und dann ggf. noch die Importprozedur. Nee, nur wenn's gar nicht anders ginge.
In der Marina betreiben Udo (CH) und Michael (D), einen Reparaturservicebetrieb für Yachten, Fa. Oh-Kay. Beim ortansässigen Chandler werde ich fündig, eine Kettenführung aus Edelstahl, welche nach kleinen Änderungen passen müßte. Freundlicher Mann, der Chandler. Ich solle doch das Teil, das immerhin 110,- Euro kostet, erst mal mitnehmen, um es auszuprobieren. Den Laden hatte ich das erste Mal betreten, er kennt mich nicht, und läßt mich mit dem unbezahlten Teil ziehen. Den Rest der benötigten Teile werden Michael und ich irgendwie basteln, umbauen, improvisieren müssen. Hoffentlich klappt's. Ich schaue mir auf jeden Fall schon einmal die Wetterprognose für eine mögliche Abfahrt in 3 Tagen an - günstig; zwar gegenan, aber moderate Windstärke.

Am Mi., 17.08., hat Canan Geburtstag. Ein Ständchen, ein paar Blümchen und eine Bluse gibt's zu Mitternacht. Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach PLAKA, einem ehemaligen Fischerdorf nördlich von Aghios Nikolaos. Die Busse sind billig und kliiimatisiiiiert (Aussentemperatur um die 36 Grad). Auf der Fahrt geht's auch durch ELOUNDA; scheint ein netter Ferienort zu sein, in der Bucht vor den Sandstränden liegen einige Yachten vor Anker.
Wir möchten Tim eine Freude machen, laut Reiseführer gäbe es in Plaka eine deutsche Surfschule. Fehlanzeige leider. So verbringen wir halt 2 Stunden am dortigen Kieselstrand.

Gegenüber von Plaka liegt die Insel KALIDON, meist Spinalonga genannt. Kalidon war von 1913 bis 1957 Verbannungsort für alle kretischen Leprakranken. Innerhalb einer gut erhalten venezianischen Burg, Kreta war von 1204 bis 1669 venezianisch besetzt und regiert, lebten und starben die Aussätzigen in völliger Isolation in einem selbst gebauten Dorf.

Tim stellt viele Fragen zu Lepra, die ich nicht beantworten kann. Jetzt wissen wir: Bei dieser Krankheit sterben die Nerven ab, die Gefäße der Adern und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Die Betroffenen verlieren das Gefühl für Kälte, Wärme und Schmerz und verletzen sich unbemerkt und infizieren sich über die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten wie z.B. Tetanus. Daher stammt auch die Vorstellung, Lepra würde zum Abfallen von Armen, Händen oder Ohren führen. Da die Erkrankten keine Schmerzen spüren, werden Wunden oft unbehandelt gelassen, und durch Entzündungen können diese Körperbereiche absterben. Auch Tuberkulose führt häufig zum Tod. In den Entwicklungsländern (Indien, Afrika,...) sind immer noch mehr als 200.000 Menschen an Lepra erkrankt.

Insel Kalidon
Taverne in Plaka

Tavernen Plaka
Am Strand


Octopus

Unser Leben in Shorts und Crogs hat begonnen. Von morgens bis in die Nacht leben wir draussen und geniessen es. In einer Marina macht man schnell Freunde, es ist eine Gemeinschaft Gleichgesinnter. Alles sehr entspannt, Brüder im Geiste, immer ein Gesprächsthema.

G&P sind aussergewöhnlich nett, morgen (Freitag) kommen sie auf einen Drink zu uns. Pamela hat Tim gerade eben ein Eis geschenkt, für unsere heutige Wanderung in der Schlucht von KRITSA haben sie uns einen sehr hilfreichen Wanderführer geliehen. Kritsa ist ein Bergdorf, 10 km von Aghios. Hin mit dem Taxi, zurück mit dem Bus. Das Taxameter war wohl auf Nachttarif eingestellt, na ja, in 7 Stunden wird's ja dunkel und der Taxifahrer hat auch eine Familie zu ernähren.

Die 2-stündige Wanderung durch das ausgetrocknete, felsige Kiesel-Flußbett der Schlucht ist schweißtreibend, macht aber Spaß. Imposante Landschaft. Nachdem in der Schlucht eine Gottesanbeterin meinen Rücken als Ruheplatz gewählt hatte, fragte Tim im Anschluß alle 3 Minuten "Ist was auf meinem Rücken? In meinen Haaren?"; Insekten mag er nicht.

Wieder in Aghios, gut müde, essen wir Pizza - die Reste, die wir als doggy bag gestern Abend aus der Pizzeria an unserem Hausstrand mitgebracht haben. Die gegrillten Sardinen dort waren so so, die Pizzas jedoch ein Traum. Der kretische Wein dazu - man schmeckt die Sonne, die ihn so vollmundig haben werden lassen.

Kritsa












An der Aussenmole der Marina in Aghios liegt eine Superyacht, die "Rio Rita". 56 m lang, 2100 PS, 28 Mann Besatzung. http://www.charterworld.com/index.html?sub=yacht-charter&charter=rio-rita-2348  Die Eignerin, eine ältere Dame, ich sah sie eines Abends begleitet von Leibwächtern die Marina verlassen, scheint gutaussehende junge Männer zu mögen - knackige Burschen in weißen Uniformen allesamt.

Die Eignerin ist eine Griechin, Spross der Familie LATSIS. Der Familie gehören eine Bank, Reedereien, Immobilien en masse, tätig im Ölgeschäft,.... Das Vermögen beläuft sich auf ca. 10 Millarden US-Dollar. Neben der Rio Rita gibt's weitere Superyachten im Besitz. Wohnorte / Firmensitze: Schweiz, Monaco, Luxemburg etc.. Tja, da gäbe es angesichts der Situation der griechischen Normalbürger Einiges anzumerken. Lassen wir's. Kapitalismus, quo vadis...

Rio Rita


Für alle, die alte Motorräder mögen - ein Prachtstück einer HOREX, gesehen in Aghios:




Michael ist Gold wert. Handwerklich sehr fit, gute Ideen. Nach ein paar Stunden Flexen, Bohren, Schrauben ist unsere neue Ankerhalterung/-führung montiert. Hurra! Gegenüber den Originalteilen aus den USA 1500,- Euro gespart, das freut den Sock.

"Zwergenarbeit" war auch notwendig, Tim mußte in die enge Ankerpiek kriechen. Er flucht und kommandiert hierbei wie ein Großer, macht eine gute Arbeit.

Enge
Gut geworden, hoffentlich hält's.








Mit Geoff und Pamela verbringen wir den Abend bei uns an Bord, schön und lustig war's.
Samstagmorgen wiederum Reparaturarbeiten - die Gangschalt-/Gaseinheit ist blockiert, rien ne va plus.  Nach 2 Stunden auch erledigt.

Tim und Canan machen derweil per Bus einen Ausflug nach GOURNIA, einer minoischen Ausgrabungsstätte. Die Minoer, von denen wenig überliefert ist, bauten zwischen ca. 1900 und 1450 vor Christus auf Kreta zahlreiche Städte , Paläste etc.. Die bekannteste Ausgrabungsstätte ist Knossos.
Ein treuer Fan. Auch bei 36 Grad...

Blau wurde auf Kreta erfunden
Eine junge Griechin stattet Tim und Canan mit einem GPS zwecks Tracking der Laufwege und einer Kamera aus. Sie schreibe ihre Dokorarbeit, Inhalt sinngemäß "Wie verhalten sich Touristen an historischen Besichtigungsstätten, wenn sie nicht geführt werden" - was es nicht alles so gibt. Tim macht ungefähr 400 Fotos, bis die Akkus der Kamera leer, sind. Diiie Auswertung wird schwierig.
Gastfreundlich wie die Griechen sind, fährt sie Canan und Tim nach Abschluß der Besichtigung mit ihrem Auto ins nächste Dorf, wo der Bus hält.

Derzeit wehen noch 6-8 Bft Wind, morgen soll es etwas abflauen. Abfahrt gen Westen geplant für morgen früh, 06.00h. Ich rechne mit 30-40 Stunden auf See bis zur Ankunft in CHANIA, ca. 150 Seemeilen gegen den Wind sind zurückzulegen.

"Sock, sei auf der Hut - Mummy wird mit Schokolade umworben", sagt Tim während unseres letzten Abendessens in unserer Pizzeria "Ela", als der Kellner nach dem Essen einige Schokoriegel bringt. Der Inhaber verabschiedet sich herzlich von Tim (und uns), gibt ein Eis aus, umarmt ihn und will ihn im Fernsehen bei Barcelona oder Schalke spielend wiedersehen.





Dienstag, 16. August 2011

Überfahrt nach Kreta 09.08. bis 14.08.2011

Finike verabschiedet uns mit einem prächtigen Sternenhimmel und zahlreichen Sternschnuppen. Um 03.00h über Finike das Feuerwerk, dass die Fastenden, es ist Ramadan, weckt, um ein letztes Mal für die nächsten 15 Stunden zu essen und zu trinken.
Ein schöner Start, ein gutes Omen.

Um 05.00h gesellt sich Tim zu mir (Sock) ins Cockpit. Wir werfen die Angel aus. Es dauert nur kurze Zeit, da beißt der Erste. Ein prächtiger Palamut - leider entwischt er uns. 10 Minuten später, bei Sonnenaufgang, wieder 2 Palamut - die holen wir uns. Später munden sie, roh eingelegt in Zitronensaft, Öl, Pfeffer, Kümmel, vorzüglich. Selbst dem Tim, der doch Mitleid mit den armen Fischen gezeigt hatte.

Sonnenaufgang über Finike
ohne Worte

Am frühen Morgen setzen wir Segel und rauschen mit 6-7 Knoten gen Südwesten, Richtung Nordkreta. Herrliches Segeln. Ca. 240 Seemeilen nach AGIOS NIKOLAOS sind es, bei der Fahrt wären wir Mittwochnacht dort - es sollten 360 Seemeilen und Samstagmorgen werden.
Griechenland - wir kommen
Tim freut sich auf Kreta - und Gyros


Entgegen aller Vorhersagen weht später der Wind aus West, gar Südwest, und zwingt uns auf die Kreuz. Die Windstärke nimmt auf 8-9 Bft zu, die Wellen erreichen 3-4 m Höhe. So ist Nordkreta für uns auf direktem Wege unerreichbar. Als der Wind 10 Bft erreicht, drehen wir ab, um im Süden Kretas im Libyschen Meer Schutz zu suchen. Zudem haben wir einen Defekt an der Wellendichtung, Wassereinbruch - die arme Canan hat 40 Eimer aus der Bilge schippen müssen. Defekt schnell entdeckt und behoben.

Wir starten einen erneuten Anlauf, aus dem Süden kommend an der Ostküste Kretas hinauf. Es klappt zunächst gut, 7-8 Bft, nur 20 Seemeilen trennen uns noch vom zu umrundenden Nordostkap Kretas'- in der frühen Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist jedoch der Wind bei 11 Bft, Welle 4m - wir laufen zurück in den Südosten Kretas. Über Funk empfangen wir das MAYDAY relay eines in Seenot befindlichen Schiffes - zu weit weg, um ggf. helfen zu können - good luck fellows.

In einer Bucht bei XEROKAMPOS ankern wir am Donnerstagmorgen, Wind 10, um auszuruhen und einen neuen Plan zu machen. Als der Wind weiter zulegt, wollen wir Anker auf gehen, um uns zu verpieseln.
Das Entsetzen in Canans Augen werde ich nie vergessen- die enormen Kräfte des Windes reissen beim Manöver die gesamte Ankerführung/-halterung am Bug ab. Das Wort mit Sch kommt über meine Lippen. Wir müssen vor Anker bleiben. Die nun führungslose Ankerkette können wir mit einer Kettenkralle nach Stb ziehen und an einer Klampe fixieren.Wäre die Kette nach Backbord gewandert, hätte sie unser Vorstag gekillt, was einen Verlust des Mastes wahrscheinlich gemacht hätte. Wind ab sofort permanent ablandig zwischen 50 und 65 Knoten (10-12). Zunächst Angespanntheit, ob Anker und unsere Krallenkonstruktion halten. Sie sollten. So liegen wir Stunde um Stunde bei diesen Windstärken vor Anker, ungeschützt, immer die latente Angst, dass die Ankerkette Vorstag und oder Reling wegrasiert. Anker auf ohne Ankerführung, Wind Orkanstärke, unmöglich, viel zu gefährlich.

Auf kurzer Strecke vom ablandigen Sturm aufgebaute Welle
Weg war sie....

Hier Videos, die einen Eindruck vermitteln können, aber der Situation doch sehr schmeicheln, es scheint ja die Sonne (-:

http://www.youtube.com/watch?v=JTuzOYsSeQM
http://www.youtube.com/watch?v=7f8jBYiiUZc

Wir arrangieren uns mit der Situation. Canan's anfängliche Beunruhigung schwindet, Tim ist sowieso durchgehend vergnügt, tapferer kleiner Mann, wir spielen Karten usw.. Nur 300m von uns entfernt ist ein Strand, eine Taverne - unerreichbar, grausames Spiel. Ich denke an Schafskäse, Oliven, Rotwein - man kann nicht alles haben.

Warten auf ein Nachlassen des Windes. Kurzes Abflauen um einige Knoten bringt immer wieder Hoffnung. Vergeblich, nervtötend, der Meltemi kennt keine Gnade und pfeift 2 1/2 Tage lang, bis Samstagmittag, mit 10 bis 12 Windstärken - Orkan. Eine unglaubliche Geräuschkulisse, das Boot rollt ohne Unterlaß heftig in den Wellen und zerrt mit seinen 11 Tonnen überschwer am Anker. Es ächzt, knarrt und klappert überall, der Windgenerator jault wie ein gequälter Hund.

Endlich, ein erstes Abflauen für einige Minuten auf Bft 7 nutzen wir, um Anker auf zu wagen - es klappt. Tim hat bravourös die Sicherung der Ankerwinsch überwacht, sie flog wegen der hohen Last zweimal raus. Canan auf dem Vorschiff, Herrin des Ankers, suuuper Job.
Endlich "frei", Kurs Nord, mit Bft 10, Ziel Agios Nikolaos. Entgegen unserem Prinzip "kein Alkohol beim Segeln" teilen wir uns eine Dose Leichtbier und stossen auf uns und unseren Anker an. Nie hat ein Bier so gut geschmeckt.
Aah, fast den Tim vergessen, er überwacht immer noch hochkonzentriert die Sicherung. Wir danken ihm, er wird von seiner Aufgabe entbunden.
Im Nordosten Kretas' können wir Segel setzen und rauschen durch die Vollmond-Nacht, um am Sonntagmorgen 04.00h in der Marina Agios Nikolas festzumachen. Ich trinke bei Sonnenaufgang / Monduntergang ein kaltes Einlaufbier, rauche eine Zigarre. Wir fühlen uns gut. Richtig gut. Position: 35 11' 196 N, 025 43' 063 E.





Abschied in Finike 09.08.2011, 02.30h

Abschiedsessen mit Birol Kaptan, Mehmet und Nadir
Viereinhalb Jahre waren wir in Finike. Zunächst mit ROMOCO, seit 2009 mit LIME LIGHT. Schön war's!
Letzte Arbeiten erledigt, Motor gewartet, neues Antifouling, Proviant, Leichtbier und Diesel gebunkert.
Baklava als Danke schön für unserer Freunde in der Marina (Metin, Arif, Mustafa, Hakan, Ramazan, die Kaptans, die Maler,...), sie waren immer sehr hilfsbereit, wir haben viel zusammen gelacht.

Auf geht's. Lampe an...
Die Wetterprognose für die Überfahrt nach Nordkreta ist günstig. Nachdem der Meltemi schon einige Tage kräftig bläst, soll er die nächsten 3 Tage bei nur 5-7 Windstärken aus NW liegen, Wellenhöhe 1-2 Meter. Es sollte anders kommen...

Abschiedskommittee um 02.00h nachts: Birol Kaptan, Nadir Abi und Gerhard (König von Wusterhausen). Wir werden sie vermissen, sie sind uns gute Freunde geworden. Güle güle...