Dienstag, 16. August 2011

Überfahrt nach Kreta 09.08. bis 14.08.2011

Finike verabschiedet uns mit einem prächtigen Sternenhimmel und zahlreichen Sternschnuppen. Um 03.00h über Finike das Feuerwerk, dass die Fastenden, es ist Ramadan, weckt, um ein letztes Mal für die nächsten 15 Stunden zu essen und zu trinken.
Ein schöner Start, ein gutes Omen.

Um 05.00h gesellt sich Tim zu mir (Sock) ins Cockpit. Wir werfen die Angel aus. Es dauert nur kurze Zeit, da beißt der Erste. Ein prächtiger Palamut - leider entwischt er uns. 10 Minuten später, bei Sonnenaufgang, wieder 2 Palamut - die holen wir uns. Später munden sie, roh eingelegt in Zitronensaft, Öl, Pfeffer, Kümmel, vorzüglich. Selbst dem Tim, der doch Mitleid mit den armen Fischen gezeigt hatte.

Sonnenaufgang über Finike
ohne Worte

Am frühen Morgen setzen wir Segel und rauschen mit 6-7 Knoten gen Südwesten, Richtung Nordkreta. Herrliches Segeln. Ca. 240 Seemeilen nach AGIOS NIKOLAOS sind es, bei der Fahrt wären wir Mittwochnacht dort - es sollten 360 Seemeilen und Samstagmorgen werden.
Griechenland - wir kommen
Tim freut sich auf Kreta - und Gyros


Entgegen aller Vorhersagen weht später der Wind aus West, gar Südwest, und zwingt uns auf die Kreuz. Die Windstärke nimmt auf 8-9 Bft zu, die Wellen erreichen 3-4 m Höhe. So ist Nordkreta für uns auf direktem Wege unerreichbar. Als der Wind 10 Bft erreicht, drehen wir ab, um im Süden Kretas im Libyschen Meer Schutz zu suchen. Zudem haben wir einen Defekt an der Wellendichtung, Wassereinbruch - die arme Canan hat 40 Eimer aus der Bilge schippen müssen. Defekt schnell entdeckt und behoben.

Wir starten einen erneuten Anlauf, aus dem Süden kommend an der Ostküste Kretas hinauf. Es klappt zunächst gut, 7-8 Bft, nur 20 Seemeilen trennen uns noch vom zu umrundenden Nordostkap Kretas'- in der frühen Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist jedoch der Wind bei 11 Bft, Welle 4m - wir laufen zurück in den Südosten Kretas. Über Funk empfangen wir das MAYDAY relay eines in Seenot befindlichen Schiffes - zu weit weg, um ggf. helfen zu können - good luck fellows.

In einer Bucht bei XEROKAMPOS ankern wir am Donnerstagmorgen, Wind 10, um auszuruhen und einen neuen Plan zu machen. Als der Wind weiter zulegt, wollen wir Anker auf gehen, um uns zu verpieseln.
Das Entsetzen in Canans Augen werde ich nie vergessen- die enormen Kräfte des Windes reissen beim Manöver die gesamte Ankerführung/-halterung am Bug ab. Das Wort mit Sch kommt über meine Lippen. Wir müssen vor Anker bleiben. Die nun führungslose Ankerkette können wir mit einer Kettenkralle nach Stb ziehen und an einer Klampe fixieren.Wäre die Kette nach Backbord gewandert, hätte sie unser Vorstag gekillt, was einen Verlust des Mastes wahrscheinlich gemacht hätte. Wind ab sofort permanent ablandig zwischen 50 und 65 Knoten (10-12). Zunächst Angespanntheit, ob Anker und unsere Krallenkonstruktion halten. Sie sollten. So liegen wir Stunde um Stunde bei diesen Windstärken vor Anker, ungeschützt, immer die latente Angst, dass die Ankerkette Vorstag und oder Reling wegrasiert. Anker auf ohne Ankerführung, Wind Orkanstärke, unmöglich, viel zu gefährlich.

Auf kurzer Strecke vom ablandigen Sturm aufgebaute Welle
Weg war sie....

Hier Videos, die einen Eindruck vermitteln können, aber der Situation doch sehr schmeicheln, es scheint ja die Sonne (-:

http://www.youtube.com/watch?v=JTuzOYsSeQM
http://www.youtube.com/watch?v=7f8jBYiiUZc

Wir arrangieren uns mit der Situation. Canan's anfängliche Beunruhigung schwindet, Tim ist sowieso durchgehend vergnügt, tapferer kleiner Mann, wir spielen Karten usw.. Nur 300m von uns entfernt ist ein Strand, eine Taverne - unerreichbar, grausames Spiel. Ich denke an Schafskäse, Oliven, Rotwein - man kann nicht alles haben.

Warten auf ein Nachlassen des Windes. Kurzes Abflauen um einige Knoten bringt immer wieder Hoffnung. Vergeblich, nervtötend, der Meltemi kennt keine Gnade und pfeift 2 1/2 Tage lang, bis Samstagmittag, mit 10 bis 12 Windstärken - Orkan. Eine unglaubliche Geräuschkulisse, das Boot rollt ohne Unterlaß heftig in den Wellen und zerrt mit seinen 11 Tonnen überschwer am Anker. Es ächzt, knarrt und klappert überall, der Windgenerator jault wie ein gequälter Hund.

Endlich, ein erstes Abflauen für einige Minuten auf Bft 7 nutzen wir, um Anker auf zu wagen - es klappt. Tim hat bravourös die Sicherung der Ankerwinsch überwacht, sie flog wegen der hohen Last zweimal raus. Canan auf dem Vorschiff, Herrin des Ankers, suuuper Job.
Endlich "frei", Kurs Nord, mit Bft 10, Ziel Agios Nikolaos. Entgegen unserem Prinzip "kein Alkohol beim Segeln" teilen wir uns eine Dose Leichtbier und stossen auf uns und unseren Anker an. Nie hat ein Bier so gut geschmeckt.
Aah, fast den Tim vergessen, er überwacht immer noch hochkonzentriert die Sicherung. Wir danken ihm, er wird von seiner Aufgabe entbunden.
Im Nordosten Kretas' können wir Segel setzen und rauschen durch die Vollmond-Nacht, um am Sonntagmorgen 04.00h in der Marina Agios Nikolas festzumachen. Ich trinke bei Sonnenaufgang / Monduntergang ein kaltes Einlaufbier, rauche eine Zigarre. Wir fühlen uns gut. Richtig gut. Position: 35 11' 196 N, 025 43' 063 E.





Kommentare:

  1. Hallo Ihr drei Reisende,
    offen und ehrlich wie immer:
    Ich bin wirklich neidisch!!
    Ich freue mich für Euch und wünsche Euch eine wirklich gute Zeit. Bleibt Gesund.
    Viele Grüße
    Christoph

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  2. Hallo Ihr Lieben,
    mir ist gerade etwas schlecht,nachdem ich die Videos gesehen habe(Seekrank vor dem Computer ;)).
    Für den ganzen Rest beneiden wir Euch,wirklich!! Mali und Ole sind nun der Meinung,dass wir auch einen Segelschein machen sollen und dann ein Schiff kaufen müssen....neee,is klar!!
    Passt auf Euch auf und Dir Canan einen dicken Drücker und alles Liebe zum Geburtstag!
    LG Claudia mit Anhang

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